vor dir liegt die erste Ausgabe unseres monatlichen Rückblicks – schön, dass du dabei bist. Der Rhythmus ist bewusst gewählt: einmal im Monat, mehr nicht. Was im Blog erschienen ist, ein Gedanke zum Mitnehmen, gelegentlich ein Blick hinter die Kulissen. Keine tägliche Dosis „Content“ – das wäre auch seltsam für eine Praxis, die gerade einen Sommer lang aufgeschrieben hat, warum mehr nicht immer besser ist.
Der Juli gehörte dem Abschluss der Reihe Besser leben: Vier Versprechen und ein Hunger – fünf Essays über die großen Heilsversprechen unserer Zeit: länger leben, sich lückenlos kennen, endlich Ruhe finden, bewusst genießen. Falls du nur einen liest, nimm das Finale über die Resonanz. Falls du zwei liest: davor den über die Muße.
Neu im Blog
Eine Klientin sagt nach zwanzig Jahren Diätgeschichte: „Zum ersten Mal ist der Lärm weg.“ Der Essay fragt, was es über unsere Kultur sagt, dass ein Hormon in einer Woche beendet, woran zwei Jahrzehnte Disziplin scheiterten – und warum die Abnehmspritze damit ungewollt beweist, dass es nie um Willenskraft ging. Ohne Urteil über die, die spritzen; mit einer unbequemen Frage an eine Gesellschaft, die ihren Mitgliedern eher ein Hormon reicht als einen Tisch.
Weiterlesen →Jonas wacht erholt auf, die Uhr zeigt „Erholung: 41“ – und er sagt seinen Tag ab. Über Orthosomnie, Placebo-Schlaf und die Delegation der Körperautorität: den schleichenden Vorgang, durch den ein Gerät zur letzten Instanz darüber wird, wie es uns geht. Mit Canguilhems tröstlicher Einsicht: Gesund ist nicht, wer perfekte Werte hat – gesund ist, wer eine schlechte Nacht haben darf.
Weiterlesen →Die Konsequenz aus der Tracker-Kritik: Wenn Geräte uns auf vier Weisen enteignen – protokollieren, maximieren, orakeln, normieren –, dann ergibt die Umkehrung das Pflichtenheft einer humanen Gesundheits-KI. Fragen statt tracken, ein Genug kennen, „das weiß ich nicht“ sagen können, keine Beziehung ersetzen. Mit Ivan Illich, Kant und dem späten Foucault – und einer ehrlichen Prüfung des eigenen Produkts an genau diesen Maßstäben.
Weiterlesen →„Ich will einfach, dass es aufhört“ – Jonas will keine Kilos verlieren, er will Stille im Kopf. Aber wir nennen vier ganz verschiedene Dinge „Ruhe“: Erschöpfung, Entspannung, Langeweile und Muße – und ausgerechnet die, nach der er sich sehnt, lässt sich nicht herstellen. Über die Kolonisierung der Pause, Josef Piepers Muße-Begriff und die schwerste aller Erlaubnisse: dass etwas zu nichts gut sein darf.
Weiterlesen →Das Finale der Reihe: Ein Jahr später liegt die Uhr in der Schublade, und Jonas fragt zuerst „wofür?“. Das vierte Versprechen – bewusst zu genießen – erweist sich als das tückischste, weil Achtsamkeit als Disziplin nur die letzte Optimierungsschleife ist. Mit Hartmut Rosas Resonanzbegriff und der Pointe, die rückwirkend alle vier Versprechen entlarvt: Das Wichtigste im Leben lässt sich nicht bestellen – aber man kann ihm den Tisch decken.
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