nach der ersten Ausgabe im August hat dieser Rückblick pausiert, im September und Oktober kam keiner. Dass er sich zurückmeldet, hat einen Anlass: Seit dem 4. November läuft im Blog die Serie „Gegengewichte“. Mittwochs bis in den Januar, mit einer Pause über Weihnachten, erscheint dort ein Essay aus der Arbeit an einem Buch über Selbsttechniken, also über die alten und neuen Übungen, mit denen Menschen für sich sorgen, ohne sich zu vermessen. Im Blog steht das Warum. Wie man übt, erzählt das Buch.
Jeder Beitrag der Serie endet mit einer Frage, und ich würde die Antworten gern lesen. Einzelne greift der Newsletter auf, nur mit deiner ausdrücklichen Erlaubnis und ohne Namen. Die erste Frage steht weiter unten.
Zwischen dem 5. August und dem 14. Oktober sind im Blog elf Essays erschienen. Zwei davon stehen unten, gleich nach dem Auftakt der Serie: ein Zweiteiler über Männer, Härte und weiche Gefühle. Alle anderen findest du im Blog.
Neu im Blog
Bevor eine Wache nach der Losung fragen kann, muss sie den Schritt im Dunkeln hören: Um dieses unscheinbare Vermögen, das Aufmerken, geht es im Auftakt der Serie. In einer Stadt ohne Tore, in der die Eindrücke zugestellt werden, fragt der Essay, ob Aufmerksamkeit eine Ressource ist, die man verwaltet, oder eine Haltung, in der man lebt. Die Antwort steckt in einem Glas Wasser, das man fest genug hält, aber nicht zu fest: Wer die Aufmerksamkeit zu locker hält, dem nimmt die Stadt sie aus der Hand; wer sie zu fest hält, wird zum Wächter, der niemals schläft. Mit Epiktet, Pierre Hadot und der entlastenden Pointe, dass gerade das Bemerken, mit den Gedanken woanders gewesen zu sein, der Augenblick ist, in dem die Übung stattfindet: das Zurückkommen.
Weiterlesen →Tobias trackt seit vier Jahren fast jede Mahlzeit, trainiert fünfmal die Woche und sagt einen Satz, der doppelt zu verstehen ist: „Ich will einfach nicht mehr so weich sein.“ Der Essay beschreibt das männliche Körperideal als wenig beachtete zweite Diätkultur, die nicht Diät heißt, sondern Cut, und erklärt, warum Essstörungen bei Männern oft übersehen werden: Was bei einer jungen Frau irgendwann Sorge auslösen würde, gilt bei einem jungen Mann vielen als Disziplin. Vom Buch „The Adonis Complex“ bis zur normativen männlichen Alexithymie zeigt er, wie der Körper ausdrücken muss, was Männer nicht fühlen dürfen – nach der stummen Gleichung „Weich = angreifbar“. Gegen die Hantelbank hat der Text nichts; seine Kritik gilt einer Kultur, die aus einem Handwerk eine Währung gemacht hat.
Weiterlesen →Eine Umkleide, siebte Klasse: Einer sagt etwas über die Brust eines anderen, einer lacht sofort, ein Vierter lacht mit, eine halbe Sekunde zu spät. Der zweite Teil zum Adonis-Komplex fragt, wo die Gleichung „Weich = angreifbar“ gelernt wird, und liest Mobbing als Aufführung, die ein Publikum braucht, mit dem Witz als Waffe, gegen die man sich nicht beschweren kann. Die bestechende Logik „Wer austeilt, wird nicht getroffen“ hält dabei nicht, was sie verspricht: Austeilen schützt selten, meist hält es einen im Ring. Was dem Vierten fehlt, ist nicht Mut, sondern ein Ort, an dem er nicht rechnen muss – Beziehungen, in denen man weich sein darf, ohne dafür zu bezahlen.
Weiterlesen →