Kaum ein Thema hat die Welt der Ernährungsmedizin in den letzten Jahren so elektrisiert wie die sogenannte „Abnehmspritze". Semaglutid, Tirzepatid, Liraglutid – Wirkstoffe aus der Gruppe der GLP-1-Rezeptor-Agonisten (GLP-1-RA) – versprechen, was jahrzehntelange Diäten nicht geschafft haben: eine deutliche und anhaltende Gewichtsreduktion, oft verbunden mit einer Verbesserung metabolischer Werte.
In unserer Praxis bei VerumVita® in Hannover erleben wir täglich, was diese Medikamente bewirken – und ich sage es ganz offen: Die Berichte unserer Klient*innen sind beeindruckend. Wirklich beeindruckend. Menschen, die jahrzehntelang gegen ihren Körper gekämpft haben, berichten von einer Normalisierung ihres Essverhaltens, die sie nie für möglich gehalten hätten. Das ständige Kreisen der Gedanken ums Essen hört auf. Die Heißhungerattacken verschwinden. Das emotionale Essen wird leiser. Viele beschreiben es als eine Art innere Befreiung.
Lassen Sie uns eines klarstellen: Medizinische Werkzeuge zu nutzen ist kein Versagen. Es ist vernünftig. Und in diesem Fall ist es für viele Menschen lebensverändernd.
Trotzdem wäre es unredlich, nur von der Sonnenseite zu berichten. Denn so wirksam GLP-1-Rezeptor-Agonisten sind – es gibt reale Hürden, über die wir ehrlich sprechen müssen: die enormen Kosten, die Frage, was nach dem Absetzen passiert, und die Sorge um die Muskulatur. Genau darum soll es in diesem Artikel gehen.
Inhaltsverzeichnis
- Die gute Nachricht: Eine große Metaanalyse gibt Entwarnung
- Was unsere Klient*innen berichten
- Aber: Die Realität hat einen Preis – und zwar einen hohen
- Das eigentliche Problemfeld: Was passiert nach dem Absetzen?
- Unsere Hypothese: Insulinsensitivität als Schlüssel zur Nachhaltigkeit
- Muskelabbau durch die Abnehmspritze? Was die Wissenschaft wirklich sagt
- Der VerumVita®-Ansatz: Medikament + Begleitung = Nachhaltigkeit
- Was Sie tun können: Vier Impulse für Ihren Alltag
- Ein starkes Netzwerk für einen neuen Weg
- Fazit: Ein Meilenstein – mit offenen Fragen
Die gute Nachricht: Eine große Metaanalyse gibt Entwarnung
Beginnen wir mit den Fakten, denn die sind ermutigend. Eine umfassende Metaanalyse, veröffentlicht 2025 in JAMA Psychiatry von Forschenden um Aureliane C. S. Pierret vom King's College London, hat die psychiatrischen Auswirkungen von GLP-1-Rezeptor-Agonisten systematisch untersucht. Die Zahlen sind beeindruckend:
- 80 randomisiert-kontrollierte Studien wurden ausgewertet.
- 107.860 Klient*innen waren eingeschlossen.
- Die Teilnehmenden waren im Schnitt 60 Jahre alt, 60 % waren Männer.
Das Ergebnis ist ein klares Signal der Entwarnung:
- ✓ Kein erhöhtes Risiko für schwerwiegende psychiatrische Ereignisse wie Suizidalität, Psychosen oder schwere Depressionen.
- ✓ Kein erhöhtes Risiko für leichtere Beschwerden wie Angststörungen oder Schlafstörungen.
- ✓ Keine signifikante Verschlechterung depressiver Symptome.
- ✓ Verbesserung der Lebensqualität – und zwar in allen untersuchten Bereichen: physisch, psychisch, diabetesbezogen und gewichtsbezogen.
Besonders spannend für uns als Ernährungspsychologen: Die Studie zeigte einen günstigen Effekt auf das Essverhalten. Emotionales Essen nahm ab, maßvolles Essen nahm zu. Das steht im Einklang mit der bekannten sättigungsfördernden Wirkung des Hormons GLP-1 im Gehirn.
Menschen mit Typ-2-Diabetes haben ein doppelt so hohes Risiko für Depressionen. Bei Adipositas ist das Risiko um 55 % erhöht. Die Sorge, eine medikamentöse Therapie könnte diese Situation verschlimmern, ist nach dieser Datenlage unbegründet.
Diese Ergebnisse decken sich vollständig mit dem, was wir in unserer Praxis erleben. Die Normalisierung des Essverhaltens unter GLP-1-RA ist real und für viele Betroffene geradezu befreiend.
Was unsere Klient*innen berichten
Was mir Klient*innen unter GLP-1-RA-Therapie schildern, ist wirklich bemerkenswert. Es sind nicht nur die Kilos, die weniger werden. Es ist eine Veränderung, die tiefer geht.
Menschen berichten, dass das zwanghafte Kreisen der Gedanken ums Essen – dieses permanente „Was esse ich als Nächstes?", „Darf ich das?", „Warum habe ich schon wieder zu viel gegessen?" – einfach aufhört. Nicht durch Willenskraft, nicht durch Disziplin, sondern durch eine biochemische Normalisierung, die ihnen endlich Ruhe schenkt.
Das emotionale Essen, das wir in unserem Artikel über Essen als Sucht beschrieben haben, verliert seinen Sog. Viele Klient*innen erzählen, dass sie zum ersten Mal in ihrem Leben vor einem Teller sitzen und sagen können: „Ich bin satt. Und das ist okay." Ohne Kampf. Ohne schlechtes Gewissen.
Die psychologische Wirkung ist oft ebenso eindrucksvoll wie die körperliche: weniger Scham, mehr Selbstwirksamkeit, ein neues Verhältnis zum eigenen Körper.
Das ist kein Placebo-Effekt. Das ist Pharmakologie, die an den richtigen Stellschrauben dreht – am Hunger- und Sättigungssystem im Gehirn, an der Dopamin-Regulation, an der Impulskontrolle. Und es ist eine echte Chance für Menschen, die jahrelang in der Diätspirale gefangen waren.
In unserem VerumVita®-Manifest 2026 haben wir formuliert, dass wir Menschen mit Respekt und ohne erhobenen Zeigefinger begleiten. Das gilt auch hier: Wer eine GLP-1-RA-Therapie beginnt, verdient Unterstützung – keine Belehrung.
Aber: Die Realität hat einen Preis – und zwar einen hohen
So beeindruckend die Wirkung ist, so ernüchternd ist die Realität für viele Betroffene in Deutschland. Denn die größte Hürde ist nicht die Nadel, sondern die Rechnung.
Das Kostenproblem
GLP-1-Rezeptor-Agonisten sind teuer. Eine monatliche Therapie mit Semaglutid (Wegovy®) kostet in Deutschland aktuell ca. 170–300 € pro Monat – je nach Dosierung. Bei Tirzepatid (Mounjaro®) liegen die Kosten in ähnlicher Größenordnung.
Das Problem: Bei der Indikation Adipositas (ohne Diabetes) werden die Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland derzeit nicht übernommen. GLP-1-RA sind in dieser Indikation als „Lifestyle-Arzneimittel" nach § 34 SGB V von der Erstattung ausgeschlossen. Nur bei Diabetes Typ 2 ist eine Kostenübernahme möglich.
Das bedeutet in der Praxis: Viele Menschen, die am meisten von dieser Therapie profitieren würden, können sie sich schlicht nicht leisten. Wer 200–300 € pro Monat aufbringen muss – dauerhaft, denn die Therapie ist keine Kur –, steht vor einer finanziellen Belastung, die für viele Familien nicht tragbar ist.
Adipositas ist eine anerkannte chronische Erkrankung. Dass die wirksamste Therapie, die wir derzeit haben, von den Betroffenen selbst bezahlt werden muss, ist aus unserer Sicht ein gesundheitspolitisches Problem, das dringend gelöst werden muss.
Hoffnung durch Patentablauf: Wann kommen günstige Alternativen?
Es gibt aber einen Lichtblick am Horizont. Patente laufen ab, und Biosimilars (Nachahmerpräparate für biologische Arzneimittel) werden kommen.
Die aktuelle Patentsituation in Europa:
- Liraglutid (Saxenda®/Victoza®): Die Kernpatente von Novo Nordisk sind in Europa bereits ausgelaufen. Erste Biosimilars befinden sich im Zulassungsverfahren und könnten in den nächsten Jahren verfügbar sein.
- Semaglutid (Ozempic®/Wegovy®): Der Patentschutz erstreckt sich in Europa voraussichtlich bis ca. 2031–2032. Ab dann könnten günstigere Biosimilars auf den Markt kommen.
- Tirzepatid (Mounjaro®/Zepbound®): Die Patente von Eli Lilly reichen noch weiter – bis ca. 2036 und darüber hinaus.
Bei Biosimilars für Biologika sind die Preissenkungen erfahrungsgemäß geringer als bei klassischen Generika, aber Experten rechnen dennoch mit Kostensenkungen von 20–40 %. Das wäre ein wichtiger Schritt, um diese Therapie für mehr Menschen zugänglich zu machen.
Bis dahin bleibt die bittere Realität: GLP-1-RA sind eine Zwei-Klassen-Medizin. Wer es sich leisten kann, profitiert. Wer nicht, schaut zu.
Das eigentliche Problemfeld: Was passiert nach dem Absetzen?
Und hier kommen wir zum Punkt, der uns als Ernährungstherapeuten am meisten beschäftigt. Denn die Frage ist nicht nur, ob GLP-1-RA wirken – sie wirken, und zwar hervorragend. Die Frage ist: Was passiert, wenn Sie aufhören?
Die bisherigen Daten sind hier leider eindeutig und ernüchternd:
- Studien zeigen, dass Klient*innen nach dem Absetzen von Semaglutid innerhalb eines Jahres rund zwei Drittel des verlorenen Gewichts wieder zunehmen.
- Die metabolischen Verbesserungen (Blutzucker, Cholesterin, Blutdruck) bilden sich ebenfalls teilweise zurück.
- Das Hungergefühl und das Essverhalten normalisieren sich wieder auf das Niveau vor der Therapie.
Das ist kein Versagen der Klient*innen. Das ist Biologie. In unserem Artikel über Adipositas beschreiben wir ausführlich, wie mächtig die körpereigene Gegenregulation bei Gewichtsverlust ist – Hormone, Stoffwechselanpassung, der sogenannte „Set Point". GLP-1-RA überschreiben diese Mechanismen pharmakologisch. Fällt die Medikation weg, kehren sie zurück.
Das bedeutet: Für viele Betroffene ist die GLP-1-RA-Therapie keine vorübergehende Behandlung, sondern eine Dauertherapie – vergleichbar mit Blutdrucksenkern oder Schilddrüsenhormonen. Und das bringt uns zurück zum Kostenproblem.
Genau hier liegt auch der Grund, warum wir bei VerumVita® die Kombination aus Medikation und ernährungstherapeutischer Begleitung für so entscheidend halten: Wer während der Therapie lernt, nachhaltige Essgewohnheiten aufzubauen, hat bessere Chancen, einen Teil der Erfolge auch nach dem Absetzen zu halten – auch wenn die Biologie dagegen arbeitet.
Unsere Hypothese: Insulinsensitivität als Schlüssel zur Nachhaltigkeit
Ein weiterer Aspekt, der in dieser Diskussion unserer Meinung nach zu kurz kommt: die Rolle der Insulinsensitivität. GLP-1-Rezeptor-Agonisten verbessern nicht nur das Gewicht – sie verbessern nachweislich auch die Insulinsensitivität. Das ist ein entscheidender Punkt, denn Insulinresistenz ist selbst ein Treiber von gestörtem Hunger- und Sättigungsempfinden. Eine chronisch erhöhte Insulinausschüttung kann die Leptinsignale im Gehirn stören und so das Gefühl verstärken, nie wirklich satt zu sein.
Daraus ergibt sich für uns eine Hypothese, die wir transparent formulieren möchten: Was wäre, wenn die Kombination aus verbesserter Insulinsensitivität, neu erlernten Essgewohnheiten und einem tieferen Verständnis der eigenen ernährungspsychologischen Muster nach dem Absetzen von GLP-1-RA bessere Ergebnisse zeigt als die rein medikamentöse Therapie allein?
Die Logik dahinter: Wenn der Stoffwechsel während der Therapie metabolisch „resetten" kann – und dieser Reset durch eine fundierte Ernährungsumstellung und ein Verständnis für die psychologischen Hintergründe des eigenen Essverhaltens stabilisiert wird –, dann ist der Ausgangspunkt nach dem Absetzen ein anderer, als wenn nur das Medikament die Arbeit geleistet hat. Die Insulinsensitivität beeinflusst direkt, wie stark Hunger- und Sättigungssignale im Gehirn ankommen. Wer also während der GLP-1-RA-Therapie nicht nur Gewicht verliert, sondern gleichzeitig seinen Stoffwechsel durch kluge Ernährung stabilisiert und die eigenen Essmuster versteht, könnte nach dem Absetzen in einer metabolisch und psychologisch günstigeren Ausgangslage sein.
Wir betonen ausdrücklich: Das ist zum jetzigen Zeitpunkt eine Hypothese – keine bewiesene Tatsache. Es fehlen kontrollierte Studien, die gezielt den Kombinationseffekt aus GLP-1-RA-Therapie, ernährungstherapeutischer Begleitung und der damit verbundenen Verbesserung der Insulinsensitivität nach dem Absetzen untersuchen. Die bestehende Forschung konzentriert sich bisher vor allem auf die medikamentöse Wirkung isoliert.
Genau deshalb denken wir bei VerumVita® darüber nach, systematisch und mit Einverständnis unserer Klient*innen Daten zu erheben – über unsere digitalen Tools –, um diesen Zusammenhang langfristig zu dokumentieren. Keine klinische Studie im engeren Sinne, aber reale Versorgungsdaten aus der Praxis, die der Forschung wertvolle Impulse geben könnten. Denn wenn wir schon die Hypothese formulieren, sollten wir auch bereit sein, sie zu überprüfen.
Muskelabbau durch die Abnehmspritze? Was die Wissenschaft wirklich sagt
Eine häufige Sorge, die wir in Beratungsgesprächen hören: „Verliere ich durch die Spritze nicht auch meine Muskelmasse?" Diese Sorge ist nachvollziehbar – und die Antwort ist differenzierter, als die Schlagzeilen vermuten lassen.
Ein aktueller Übersichtsartikel aus dem Januar 2026, der Daten aus mehreren Metaanalysen und MRT-basierten Studien zusammenfasst, kommt zu einem überraschend beruhigenden Ergebnis:
- ✓ Ja, es kommt unter GLP-1-RA zu einer Abnahme der absoluten Muskelmasse – das ist bei jeder Form von Gewichtsverlust der Fall, ob durch Diät, Operation oder Medikament.
- ✓ Diese Abnahme ist aber proportional zum Gesamtgewichtsverlust (ca. 12–40 % des verlorenen Gewichts entfallen auf fettfreie Masse). Das heißt: Es wird nicht überproportional Muskel abgebaut.
- ✓ Als Anteil am Körpergewicht bleibt die fettfreie Masse stabil oder steigt sogar leicht an – weil der Fettverlust deutlich überwiegt.
- ✓ Besonders spannend: Die Muskelqualität verbessert sich. Weniger Fett innerhalb der Muskeln (Myosteatose), bessere Insulinsensitivität, verbesserte Durchblutung und Mitochondrienfunktion.
Kurz gesagt: Die Muskeln werden zwar etwas kleiner, aber sie werden besser. Qualität schlägt Quantität.
Meta-Analysen, die Griffstärke, körperliche Leistungsfähigkeit und kardiorespiratorische Fitness untersuchten, fanden keine klinisch relevanten Einschränkungen unter GLP-1-RA-Therapie.
Unsere Empfehlung: Kombinieren Sie die GLP-1-RA-Therapie mit regelmäßigem Krafttraining und einer ausreichenden Eiweißzufuhr. Das ist die beste Strategie, um Muskelmasse und -funktion zu erhalten. In unserer ernährungstherapeutischen Begleitung achten wir gezielt auf eine proteinoptimierte Ernährung – gerade weil das Hungergefühl unter der Therapie oft stark reduziert ist und viele Klient*innen Gefahr laufen, zu wenig Eiweiß zu sich zu nehmen.
Der VerumVita®-Ansatz: Medikament + Begleitung = Nachhaltigkeit
Wir sind keine Gegner von GLP-1-Rezeptor-Agonisten – nachdem, was wir bisher wissen, sind wir klare Befürworter, wenn die Indikation stimmt. Adipositas ist eine chronische Erkrankung, keine Charakterschwäche und sie verdient die beste verfügbare Behandlung.
Aber gerade weil wir wissen, wie wirksam diese Medikamente sind, plädieren wir dafür, die Therapie nicht isoliert zu betrachten. Wie wir in unserer Hypothese zur Insulinsensitivität dargelegt haben, vermuten wir, dass die besten und nachhaltigsten Ergebnisse dann entstehen, wenn drei Säulen zusammenwirken – auch wenn dieser Kombinationseffekt noch nicht abschließend erforscht ist:
1. Die medizinische Säule
Die Verordnung und Überwachung der GLP-1-RA-Therapie durch den behandelnden Arzt oder Diabetologen. Regelmäßige Laborkontrollen, Dosisanpassungen und die Beurteilung möglicher Nebenwirkungen gehören in medizinische Hände.
2. Die ernährungstherapeutische Säule
Eine professionelle Ernährungsberatung, die nicht bei „essen Sie mehr Gemüse" stehen bleibt. Gerade unter GLP-1-RA ist eine ausreichende Eiweißzufuhr zum Muskelerhalt entscheidend. Es geht darum, eine Ernährungsweise zu entwickeln, die tragfähig ist – auch dann, wenn die Medikation irgendwann reduziert oder beendet wird. Mahlzeitenstruktur, Proteinoptimierung und der kluge Umgang mit dem veränderten (oft stark reduzierten) Hunger- und Sättigungsgefühl sind zentrale Themen.
3. Die ernährungspsychologische Säule
Die GLP-1-RA-Therapie schenkt vielen Klient*innen erstmals innere Ruhe im Umgang mit Essen. Dieses Zeitfenster ist kostbar – und wir nutzen es. Weil der Leidensdruck geringer ist, können wir in der Begleitung in Ruhe an der Beziehung zum Essen und zum eigenen Körper arbeiten: neue Gewohnheiten etablieren, das Körperbild aktualisieren, Strategien für den Umgang mit Stress oder Emotionen entwickeln, die nicht auf Essen basieren. All das schafft ein Fundament, das auch dann trägt, wenn die Medikation irgendwann endet.
Unsere Erfahrung zeigt: Klient*innen, die unter GLP-1-RA-Therapie gleichzeitig ernährungstherapeutisch und ernährungspsychologisch begleitet werden, haben nicht nur bessere langfristige Ergebnisse – sie sind auch besser auf ein mögliches Absetzen der Therapie vorbereitet.
Was Sie tun können: Vier Impulse für Ihren Alltag
Ob Sie bereits eine GLP-1-RA-Therapie begonnen haben, darüber nachdenken oder sich einfach für das Thema interessieren – hier sind vier Anregungen:
1. Achten Sie auf Ihre Eiweißzufuhr
Unter GLP-1-RA ist der Appetit oft so stark reduziert, dass Klient*innen insgesamt zu wenig essen – und vor allem zu wenig Eiweiß. Planen Sie bewusst proteinreiche Lebensmittel in jede Mahlzeit ein: Quark, Eier, Hülsenfrüchte, Fisch, mageres Fleisch. Mindestens 1,2–1,5 g Eiweiß pro kg Körpergewicht sind unter der Therapie empfehlenswert.
2. Bewegen Sie sich – besonders Krafttraining
Krafttraining ist der wichtigste Schutzfaktor für Ihre Muskelmasse während der Gewichtsabnahme. Das muss kein Fitnessstudio sein: Körpergewichtsübungen, Therabänder oder eine Hantelsitzung zweimal pro Woche machen bereits einen messbaren Unterschied.
3. Nutzen Sie das Zeitfenster der inneren Ruhe
Die GLP-1-RA schenken Ihnen etwas, das Sie vielleicht lange nicht hatten: Frieden mit dem Essen. Nutzen Sie dieses Zeitfenster, um neue Gewohnheiten zu etablieren. Kochen Sie bewusst, erkunden Sie Lebensmittel neu, lernen Sie, Hunger und Sättigung ohne Angst zu spüren.
4. Sprechen Sie offen über Ihre Situation
Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Ihre Erwartungen, Ihre Sorgen und auch über die finanzielle Belastung. Und wenn möglich: Lassen Sie sich ernährungstherapeutisch begleiten. Die Zeit unter der Medikation ist die beste Zeit, um ein Fundament zu bauen, das auch ohne Spritze trägt.
Ein starkes Netzwerk für einen neuen Weg
Bei VerumVita® verstehen wir uns als Teil eines Behandlungsteams. Wir arbeiten eng mit Hausärzten und Diabetologen im Großraum Hannover zusammen und sehen uns als Ergänzung zur medizinischen Therapie – nicht als Ersatz.
Wussten Sie schon? Da wir als zertifizierte Ökotrophologen und Ernährungstherapeuten arbeiten, werden unsere Leistungen von den gesetzlichen Krankenkassen (GKV) bezuschusst. Bei einer ärztlichen Notwendigkeitsbescheinigung (die Ihnen Ihr Hausarzt ausstellen kann) übernehmen die Kassen in der Regel zumindest einen Anteil der Kosten für die ernährungstherapeutischen Sitzungen.
Mehr über die Kostenübernahme und was eine qualifizierte Ernährungsberatung ausmacht, erfahren Sie in unserem entsprechenden Blogbeitrag.
Fazit: Ein Meilenstein – mit offenen Fragen
GLP-1-Rezeptor-Agonisten sind der bedeutendste Fortschritt in der Adipositas-Therapie seit Jahrzehnten. Die aktuelle Metaanalyse mit über 100.000 Klientinnen bestätigt, dass sie sicher sind, die Lebensqualität verbessern, das Essverhalten normalisieren und die Psyche nicht belasten. Was unsere Klientinnen berichten, bestätigt das eindrucksvoll: Diese Medikamente verändern Leben.
Aber wir müssen ehrlich bleiben. Die Kosten schließen aktuell viele Betroffene aus. Der Jojo-Effekt nach dem Absetzen ist real und erfordert Strategien. Und die Muskulatur braucht gezielte Aufmerksamkeit durch Eiweiß und Bewegung. Hoffentlich bringen die kommenden Jahre günstigere Biosimilars und eine gesundheitspolitische Debatte über die Erstattungsfähigkeit.
Die Abnehmspritze ist kein Wundermittel und kein Versagen. Sie ist ein mächtiges Werkzeug. Und wie bei jedem Werkzeug kommt es darauf an, wie man es einsetzt – und wer einen dabei begleitet.
Möchten Sie herausfinden, wie ernährungstherapeutische und ernährungspsychologische Begleitung Ihre GLP-1-RA-Therapie unterstützen kann – oder suchen Sie nach Strategien für die Zeit danach? Wir sind für Sie da.
Vereinbaren Sie Ihren Termin in unserer Praxis für Ernährungstherapie & Ernährungspsychologie im Herzen von Hannover – wir freuen uns darauf, Sie kennenzulernen.
VerumVita® Praxis für Ernährungstherapie & Ernährungspsychologie
Karmarschstraße 46, 30159 Hannover
Über den Autor
Julian Jaschinger ist Ökotrophologe (B.Sc.), Ernährungstherapeut und besitzt ein Hochschulzertifikat in Ernährungspsychologie. Seine Praxis befindet sich am "Bauch von Hannover" (Markthalle). Seit der Gründung 2017 verbindet sein Ansatz wissenschaftliche Ernährungstherapie mit psychologischen und philosophischen Prinzipien für ein gesundes Verhältnis zu Nahrung und Körper. Weitere Informationen unter verumvita.de.
Medizinischer Hinweis
Disclaimer: Die Inhalte dieses Artikels dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. GLP-1-Rezeptor-Agonisten sind verschreibungspflichtige Arzneimittel und dürfen ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht angewendet werden. Besprechen Sie Beginn, Umstellung oder Absetzen einer medikamentösen Therapie immer mit Ihrem behandelnden Arzt. Die hier dargestellten Ansichten spiegeln die fachliche Meinung des Autors wider und basieren auf dem aktuellen Stand der Ernährungswissenschaft.
