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Die Schulmensa wird zum Lernort: Warum Ernährungsbildung dort beginnt, wo Kinder essen

Titelbild für Die Schulmensa wird zum Lernort: Warum Ernährungsbildung dort beginnt, wo Kinder essen

17. März 2026, Grundschule Wettbergen

In der Mensa der Grundschule Wettbergen in Hannover ist an diesem Tag einiges los: Ernährungsfachkraft Irene Huber macht mit den Kindern einen Ernährungsführerschein – sie lernen, Lebensmittel zu erkennen, zuzuordnen und selbst zuzubereiten. Draußen auf dem Innenhof pflanzt Niedersachsens Landwirtschafts- und Ernährungsministerin Miriam Staudte gemeinsam mit den Schüler*innen Johannisbeer-Sträucher in die neuen Hochbeete.

Was hier passiert, ist kein gewöhnlicher Schultag. Es ist der Startschuss für eines der spannendsten Ernährungsbildungsprojekte, das Niedersachsen in den letzten Jahrzehnten auf den Weg gebracht hat: „Mensen zu Lernorten".

Und wir bei VerumVita® sind stolz, dass unsere Kollegin Mira Teil des Projektteams ist, das dieses Vorhaben trägt.


Was ist „Mensen zu Lernorten"?

Am 17. März 2026 gab Landwirtschafts- und Ernährungsministerin Miriam Staudte in der Grundschule Wettbergen den offiziellen Startschuss für das landesweite Modellvorhaben „Ernährungsbildung stärken – Mensen zu Lernorten". Das Projekt wird vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz mit 1,2 Millionen Euro gefördert und ist Teil der niedersächsischen Ernährungsstrategie „Unser Rezept für die Zukunft".

Die Idee ist so einleuchtend wie überfällig: Die Schulmensa soll nicht länger nur ein Ort der Sättigung sein, sondern ein Ort des Lernens. Ein Ort, an dem Kinder erfahren, woher Lebensmittel kommen, wie man sie zubereitet und warum gemeinsames Essen mehr ist als Nahrungsaufnahme.

Ministerin Staudte brachte es auf den Punkt:

„Wir sollten Schulmensen künftig nicht nur als Ort der Sättigung sehen, sondern als Lernort für gesundheitsförderliche Ernährung und gemeinsames Essen als kulturelle Errungenschaft wiederentdecken. Wenn ein Kind in der Schule lernt, wie es einen Obstsalat zubereitet, wird es das Wissen auch nach Hause tragen."

Das Interesse war überwältigend: Rund 90 Schulen hatten sich beworben. Auf Grundlage eines Kriterienkatalogs, der gemeinsam mit dem Zentrum für Hauswirtschaft und Ernährung (ZEHN), der Vernetzungsstelle Schulverpflegung (VeSch) und dem Ministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz entwickelt wurde, wurden sieben Modellschulen aus vier Schulbezirken ausgewählt:

  • Grundschule Wettbergen (Hannover)
  • IGS Sassenburg (Braunschweig)
  • Grundschule Ganspe (Weser-Ems)
  • Geestlandschule Fredenbeck (Lüneburg)
  • IGS Lengede (Braunschweig)
  • Bildungshaus Hahle (Lüneburg)
  • Grundschule Merzen (Weser-Ems)

Das Projektteam

Projektträger ist der VDSKC (Verband deutscher Schul- und Kita-Caterer e.V.). Projektverantwortlicher ist Stefan Gerhardt, unter dessen Leitung auch unsere Kollegin Mira mitarbeitet. Er koordiniert das Vorhaben mit viel Engagement und Überzeugung. In einem Interview betonte er, warum ihn das Projekt so begeistert:

„Das ist eine tolle Chance für Schüler und Lehrkräfte. Gemeinsam möchten wir nachhaltige Impulse in der Ernährungsbildung setzen und Strukturen stärken, die langfristig im Schulalltag wirken.“"

Unsere Kollegin Mira ist Teil dieses Projektteams und bringt ihre Expertise in Ernährungswissenschaft und Gesundheitsförderung ein – bei der Entwicklung der Bildungskonzepte, in der Begleitung der Modellschulen und bei Veranstaltungen wie dem Pressetermin mit der Ministerin.

Der NDR war dabei

Das NDR-Fernsehen hat den Projektstart in Hallo Niedersachsen begleitet. Den Beitrag können Sie hier anschauen:

NDR: Hannover – Pilotprojekt „Lernort Mensa" startet an Grundschule

Ein Video von "SchulTV Wettbergen" finden Sie auch auf YouTube: Ministerin Miriam Staudte zu Besuch in der Grundschule Wettbergen (Lernort Mensa) (YouTube)

Weitere Informationen zum Projekt gibt es auf der offiziellen Projektseite: lernort-mensa.de


Warum dieses Projekt so wichtig ist

Wer in unserer Praxis sitzt – ob wegen Gewichtsproblemen, Diabetes, Bluthochdruck oder einem gestörten Verhältnis zum Essen –, der trägt fast immer eine Geschichte mit sich, die in der Kindheit beginnt. In unserer Arbeit zur Kinderernährung sprechen wir häufig darüber: Die Grundlagen unseres Essverhaltens werden nicht im Erwachsenenalter gelegt. Sie entstehen am Familientisch, in der Schulkantine, beim Pausenbrot.

Und genau hier liegt das Problem. Denn in vielen Schulen ist die Mensa ein Ort, an dem Essen passiert – aber nicht verstanden wird. Kinder nehmen ihr Tablett entgegen, essen in fünfzehn Minuten und gehen zurück in den Unterricht. Was auf dem Teller liegt, woher es kommt, wie es zubereitet wurde – das bleibt unsichtbar.

Robert Kühn, Schulleiter der Grundschule Wettbergen und Gastgeber des Projektstarts, möchte das anders handhaben:

„Ernährung ist ein Bildungsauftrag. Das Thema Nahrung, Herkunft von Lebensmitteln und bewusste Ernährung gewinnt für Kinder zunehmend an Bedeutung. Deshalb betrachten wir das Essen nicht als ausgelagerten Service, sondern als festen Bestandteil des pädagogischen Konzepts."

Das ist genau die Haltung, die wir auch bei VerumVita® vertreten. In unserem Beitrag über den Wandel der Mahlzeitenkultur – Essen früher, Essen heute – haben wir beschrieben, wie die gemeinsame Mahlzeit als kulturelle Praxis zunehmend erodiert. Und in unserem Text über das Speisen in Gemeinschaft zeigen wir, warum das gemeinsame Essen weit mehr ist als Nahrungsaufnahme: Es ist ein sozialer Akt, ein Moment der Verbundenheit, ein Rahmen, in dem Kinder lernen, was Genuss und Wertschätzung von Essen bedeuten.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache

In Deutschland werden täglich Millionen von Mahlzeiten für Kita- und Schulkinder zubereitet. Das ist eine enorme Chance – und eine ebenso große Verantwortung. Wenn wir diese Mahlzeiten nicht nur als Versorgung begreifen, sondern als Bildungsmomente, dann können wir die Beziehung einer ganzen Generation zu ihrem Essen verändern.

Das Projekt „Mensen zu Lernorten" verfolgt dabei konkrete Qualitätsstandards: regionale Zutaten, ein hoher Bio-Anteil, die Umsetzung der DGE-Richtlinien, faire Arbeitsbedingungen und eine nachhaltige Speisenplanung. Es geht nicht um perfekte Ernährungspläne auf dem Papier – es geht darum, dass Kinder erleben, was gutes Essen ausmacht.

Gute Schulernährung durchbricht Armutskreisläufe

Es gibt eine Dimension dieses Projekts, die über Ernährungsbildung im engeren Sinne hinausgeht – und die wir nicht unerwähnt lassen möchten: Schulverpflegung ist auch eine Frage sozialer Gerechtigkeit.

Die Zusammenhänge sind gut dokumentiert und bilden eine Spirale, die sich selbst verstärkt: Kinder aus einkommensschwachen Familien ernähren sich im Durchschnitt schlechter – weniger Obst und Gemüse, mehr hochverarbeitete Lebensmittel, weniger gemeinsame Mahlzeiten. Eine unzureichende Nährstoffversorgung beeinträchtigt die Konzentrationsfähigkeit und kognitive Leistungsfähigkeit in der Schule. Schlechtere schulische Leistungen verringern die Bildungschancen. Geringere Bildung führt statistisch zu niedrigerem Einkommen. Und niedrigeres Einkommen bedeutet erneut schlechtere Ernährung – für die eigenen Kinder.

Das ist kein monokausal gedachtes Modell. Armut hat viele Ursachen, und Ernährung ist nur ein Faktor unter vielen. Aber es ist ein Faktor, an dem wir konkret ansetzen können. Eine qualitativ hochwertige, kostenlose Schulverpflegung – verbunden mit Ernährungsbildung, wie „Mensen zu Lernorten" sie vorsieht – kann diesen Kreislauf an einer entscheidenden Stelle durchbrechen. Sie sorgt dafür, dass jedes Kind, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern, mindestens eine vollwertige Mahlzeit am Tag erhält. Und sie vermittelt Kompetenzen, die über die Schule hinaus wirken: das Wissen, wie man mit einfachen Mitteln gut und günstig kocht, die Erfahrung, dass gesundes Essen schmecken kann, und das Selbstvertrauen, die eigene Ernährung aktiv zu gestalten.

Projekte wie „Mensen zu Lernorten" sind deshalb nicht nur Ernährungspolitik. Sie sind auch Bildungspolitik – und Sozialpolitik.


Erleben statt Belehren: Warum Ernährungsbildung mehr braucht als Wissen

Auf unserer Startseite steht ein Satz, der auch für dieses Thema gilt: „Wir glauben, dass Gesundheitsförderung mehr ist als die Vermittlung von Informationen." Diesen Satz meinen wir ernst – und er gilt ganz besonders für Kinder.

Ein Arbeitsblatt über die Ernährungspyramide mag im Sachunterricht seinen Platz haben. Aber es wird kein Kind dazu bringen, freiwillig Brokkoli zu probieren. Was Kinder verändert, ist die Erfahrung: der Geruch von frischen Kräutern, das Gefühl, selbst etwas geschnitten und zubereitet zu haben, das Lob der Mitschüler*innen für den selbstgemachten Kräuterquark.

Das wissen wir nicht nur aus der Theorie. Wir haben es selbst erlebt – in unseren Workshops mit Kindern und Jugendlichen, in denen wir gemeinsam gekocht, geschnippelt und probiert haben. Wer einmal gesehen hat, wie ein Achtjähriger zum ersten Mal eine Avocado aufschneidet und feststellt, dass er Guacamole liebt, der versteht, warum Ernährungsbildung nicht im Klassenzimmer stattfinden sollte, sondern in der Küche. Oder eben: in der Mensa.

In unserem Beitrag über Gesundheitsförderung in Lebenswelten beschreiben wir, warum es so wichtig ist, Menschen dort zu erreichen, wo sie ihren Alltag verbringen. Für Erwachsene ist das oft der Arbeitsplatz. Für Kinder ist es die Schule – und damit auch die Mensa.

Und wie wir in unserem Text Veränderung darf Spaß machen geschrieben haben: Nachhaltige Veränderung entsteht nicht durch Vorschriften, sondern durch positive Erlebnisse. Ein Kind, das in der Mensa gelernt hat, einen Obstsalat zuzubereiten, wird dieses Wissen mit nach Hause nehmen – nicht weil es muss, sondern weil es will.


Was wir uns wünschen

Wenn wir eines in unserer täglichen Arbeit gelernt haben, dann dieses: Die Beziehung, die ein Mensch zu seinem Essen hat, ist tief in seiner Biografie verwurzelt. Sie beginnt hoffentlich nicht mit dem ersten Arzttermin oder der ersten Diät. Sie beginnt am Mittagstisch der Kindheit.

Genau deshalb halten wir „Mensen zu Lernorten" für einen der wichtigsten Ansätze, die in Niedersachsen derzeit verfolgt werden. Nicht weil es die eine Lösung für alle Ernährungsprobleme wäre – die gibt es nicht. Sondern weil es bei der Wurzel ansetzt: bei der Frage, welche Beziehung Kinder zu ihrem Essen aufbauen, bevor Diätkultur, Schönheitsideale und Alltagsstress diese Beziehung verformen.

In unserem Beitrag über Dankbarkeit und Wertschätzung haben wir darüber nachgedacht, wie leicht wir die Selbstverständlichkeit voller Supermarktregale vergessen. Ein Kind, das in der Schulmensa gelernt hat, woher sein Essen kommt, das Kräuter gepflanzt und Gemüse geschnitten hat, wird mit einer anderen Haltung durch die Welt gehen – mit mehr Bewusstsein, mehr Wertschätzung, mehr Verbundenheit.

Wir wünschen uns, dass dieses Projekt im wahrsten Sinne des Wortes Schule macht. Dass die Konzepte, die in den sieben Modellschulen erprobt werden, auf weitere Schulen in Niedersachsen und darüber hinaus übertragen werden. Und wir sind stolz, dass Mira ihren Teil dazu beiträgt.


Mehr erfahren

Wenn Sie sich für unsere Arbeit in der Ernährungsbildung und Gesundheitsförderung in Lebenswelten interessieren, sprechen Sie uns gerne an.

Und wenn Sie als Unternehmen nach Wegen suchen, die Gesundheit Ihrer Mitarbeitenden zu fördern – auch hier bringen wir Erfahrung mit. Unsere Betriebliche Gesundheitsförderung folgt derselben Philosophie: Gesundheit entsteht nicht durch Vorschriften, sondern durch gute Rahmenbedingungen und echte Teilhabe.

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