Zeit gönnen zum Genießen
Es ist gar nicht so leicht, beim Versuch seinen Weg im Leben zu finden, seine Bedürfnisse nicht zu vergessen. In der individualisierten Welt des mitteleuropäischen 21. Jahrhunderts muss jede und jeder etwas Besonderes sein. Wer es nicht schafft, sich von seinen Mitmenschen abzuheben, geht in der grauen Masse unter. Ein Kapitalverbrechen im Auge des Individualismus. Viele Menschen glauben daher in Zeiten der Aufklärung, dass sie reich, berühmt und natürlich schlank sein müssten, um einen Wert als Mensch zu haben. Dabei bleibt oft auf der Strecke, uns die Zeit zum Genießen zu gönnen. Die Autorin Marie von Ebner-Eschenbach scheint diesen Trend bereits im 19 Jahrhundert erkannt zu haben. Ihre Beobachtungen zeigen sich in folgendem Zitat:
Menschen, die nach immer größerem Reichtum jagen, ohne sich jemals Zeit zu gönnen, ihn zu genießen, sind wie Hungrige, die immerfort kochen, sich aber nie, zu Tisch setzen.
Genießen ist ein innerer Prozess
Marie von Ebner-Eschenbach spricht mit diesem Zitat etwas an, was heute so aktuell ist wie nie. Wir leben in einer Zeit der Effizienz. Alles muss schnell gehen, optimiert sein, "to go". Doch Genuss ist der natürliche Feind der Effizienz.
- Genuss braucht Zeit.
- Genuss braucht Fokus.
- Genuss braucht "Verschwendung" von Momenten.
Reichtum, Berühmtheit und Schlankheit können zu einer dunklen Triade werden, wenn wir sie nur als Ziele sehen, die es effizient abzuarbeiten gilt. Denn viele Menschen vergessen ihr eigenes Innenleben, während sie diesen oberflächlichen Werten nachjagen. Die Reichtümer des Lebens zu genießen, ist der einzige wahre Wert, der in diesen Reichtümern steckt. Ein Ferrari bringt keine Freude, wenn man im Stau steht und gestresst telefoniert. Ein Salat bringt keine Gesundheit, wenn man ihn in 2 Minuten herunterschlingt.
Sich Zeit zum Genießen gönnen
Sich selbst die Zeit zum Genießen zu gönnen, ist ein Akt der Selbstfürsorge. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass wir Nährstoffe besser aufnehmen, wenn wir entspannt essen ("Cephalic Phase Response"). Stress hingegen fährt die Verdauung herunter.
Praxistipp: Die 20-Minuten-Regel Versuche, eine Mahlzeit am Tag auf mindestens 20 Minuten auszudehnen. Lege das Besteck zwischendurch ab. Atme. Schmecke. Genuss ist die Fähigkeit, sich selbst etwas Gutes zu tun. Auch Du darfst dich zwischendurch mal von deiner Arbeit und den anderen Pflichten in deinem Alltag erholen.
Wenn Du dir jetzt etwas Gutes tun möchtest, was würdest Du am liebsten genießen?
