In der einen Hälfte unseres Lebens opfern wir die Gesundheit, um Geld zu erwerben; in der anderen opfern wir Geld, um die Gesundheit wieder zu erlangen. Und während dieser Zeit gehen Gesundheit und Leben von dannen. - Voltaire -
Voltaire zur Gesundheit: Ein zeitloses Paradox
Bereits der französische Philosoph Voltaire (1694 - 1778) befasste sich mit diesem menschlichen Dilemma. Er erkannte die tragische Ironie, die darin liegt, seine Gesundheit dem Gelderwerb zu opfern. Nur, um im Anschluss das mühsam verdiente Geld wieder auszugeben, in der verzweifelten Hoffnung, die verlorene Gesundheit zurückzukaufen. Einer der häufigsten Gründe für Burnout in der heutigen Zeit.
Voltaire stellte zudem fest, dass während all diesem hektischen Tauschen und Opfern das eigentliche Leben unbemerkt an uns vorbeizieht. Zu realisieren, dass Gesundheit und Leben vergehen, egal wie sehr wir uns um ihre Erhaltung oder Optimierung bemühen, kann deprimierend sein. Aber diese Erkenntnis kann auch befreiend wirken: Sie erlaubt uns, gut genug statt perfekt sein zu wollen.
Gesundheit als neuer Götze?
Voltaire ist seit fast 250 Jahren tot, doch seine Worte sind aktueller denn je. Seit seinem Dahinscheiden hat Gesundheit einen enormen gesellschaftlichen Wertzuwachs erfahren. In unserer säkularen Gesellschaft ist Gesundheit (und oft auch Schlankheit) zum Ersatz-Religions-Symbol avanciert.
- Gesundheit = Moralische Überlegenheit ("Ich habe mich unter Kontrolle")
- Krankheit = Persönliches Versagen
Gesellschaftliche Anerkennung wird nicht nur mit Schlankheit, sondern auch mit Gesundheit verbunden. Das Paradoxe an dieser modernen Maxime ist, dass die zwanghafte Fokussierung auf Gesundheit ("Orthorexie") selbst krank machen kann. Wir optimieren uns zu Tode, statt zu leben.
Voltaire und die Endlichkeit
Vielleicht fordert unsere Gesellschaft Gesundheit deswegen so vehement ein, weil wir den Tod als das absolute Scheitern betrachten. Als könnten wir durch genug Grünkohl-Smoothies und Fitness-Tracker das Unausweichliche verhindern. Voltaire erinnert uns daran:
"...Und während dieser Zeit gehen Gesundheit und Leben von dannen."
Eine ergänzende Erklärung könnte der ewige Steigerungszwang der Moderne liefern. Nicht nur Wirtschaftswachstum soll unendlich sein, auch wir selbst sollen immer leistungsfähiger werden.
Die Lösung? Vielleicht ein Schritt zurück zur Gelassenheit. Gesundheit ist kein Projekt, das man "fertigstellt", sondern eine Ressource, die uns dienen soll, das Leben zu genießen – nicht der Sinn des Lebens selbst.
