Status Quo: Psychische Belastungen in der Arbeitswelt
Psychische Erkrankungen bei Arbeitnehmer*innen haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Gleichzeitig hat ein Arbeitsschutz, der heute explizit die Förderung der psychischen Gesundheit zum Ziel hat, erkannt, dass er Konzepte und Methoden der betrieblichen Gesundheitsförderung integrieren muss.
„Zentrale Rolle für die Entstehung arbeitsbedingter Herz-Kreislauf-, Muskel-Skelett- und psychischer Erkrankungen spielen: mangelnde Wertschätzung und Gratifikation, geringe Handlungs- und Entscheidungsspielräume, ein Missverhältnis von qualitativen und quantitativen Anforderungen und den Möglichkeiten ihrer Bewältigung, wenig soziale Unterstützung und eine mit diesen Faktoren in Verbindung stehende, defizitäre betriebliche Führungskultur."
Gudrun Faller – Lehrbuch Betriebliche Gesundheitsförderung
Nur 3 % der Arbeitnehmer*innen erleben alle zentralen Kriterien „guter Arbeit" als erfüllt. 13 % der Arbeitsplätze weisen gute Grundlagen auf, bei 84 % sind jedoch entweder extrem niedrige Ressourcen oder eine sehr hohe Fehlbeanspruchung zu finden.
Zentrale Kriterien guter Arbeit
- Ein festes, gerechtes, Existenz sicherndes Einkommen
- Ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis
- Vielseitige, abwechslungsreiche Arbeit
- Die Möglichkeit, fachliche und kreative Fähigkeiten einzubringen
- Soziale Einbindung und Kollegialität
- Eine sinnvolle Tätigkeit und Spaß an der Arbeit
- Achtung und Schutz der Gesundheit
Potenzielle Risikofaktoren für psychische Erkrankungen
Belastungen
- Zunehmender Leistungs- und Konkurrenzdruck
- Überforderung und zeitliche Belastung
- Erhöhte Konzentrationsanforderungen
- Häufiger Wechsel von Aufgaben und Zuständigkeiten
- Fehlende Handlungs- und Entscheidungsspielräume
- Angst vor Versagen, Erkrankung und Arbeitsplatzverlust
Fehlende Ressourcen
- Erosion sozialer Unterstützungsstrukturen
- Geringe Vereinbarkeit von Familie und Beruf
- Defizitäre Mitarbeiterführung, fehlende Anerkennung
- Mangelnde Sinnhaftigkeit der Arbeitstätigkeit
- Geringe Möglichkeiten des beruflichen Aufstiegs
- Unangemessene Bezahlung