Wildbeuter oder Bauer?

Vom Wildbeuter zum Bauern

Im Moment lese ich das Buch „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ von Yuval Noah Harari, einer meiner Lieblingsautoren. Er hat sehr interessante Blickwinkel und eine unvergleichliche Klarheit in seinem Denken. Durch seine Fähigkeiten ist mir heute selbst etwas klar geworden. Ein Aha- Moment. Mit den Gedanken zu diesem Aha-Moment beschäftigt sich der heutige Beitrag „Vom Wildbeuter zum Bauern“. Mit einem Fokus auf neue Blickwinkel auf unsere Vergangenheit, unser heutiges Leben und wie wir eine Zukunft erschaffen können, in der wir kollektiv glücklich und gesund leben.

Wildbeuter waren frei

Wildbeuter hatten keinen Besitz. Vielleicht ein paar Felle zum Schutz vor der Kälte und ein paar primitive Waffen zur Verteidigung und für die Jagd. Durch diese Besitzlosigkeit waren die Wildbeuter frei. Sie konnten sich in Territorien von 100 Quadratkilometern und mehr, frei bewegen. Sie mussten nichts pflanzen, keinen Acker bestellen, kein Umzugsunternehmen anheuern wenn sie umziehen wollten, keine Miete bezahlen und keine Versicherungen abschließen. Wenn ihr Leben nicht mehr interessant genug war oder sie in Nahrungsknappheit gerieten, zogen sie weiter. Das Leben war aufregend und sicherlich gefährlicher als heute, aber es war frei.

Warum wurden Wildbeuter zu Bauern?

Wenn ich mich selbst reflektiere und die Welt um mich herum kritisch betrachte, fällt mir auf, dass das Streben nach Besitz einen einzigen, übergeordneten Grund zu haben scheint. Angst wieder zu verlieren, was man sich erarbeitet hat. Furcht davor, seinen gesellschaftlichen Status zu verlieren. Angst, nicht sicher zu sein. Sorge, keine Kontrolle zu besitzen. Angst zu sterben. Ist diese Angst berechtigt? Ja! Doch hilft uns Besitz dabei, unsere Ängste zu besiegen? Nur auf den ersten Blick. Meiner Ansicht nach macht Besitz die Angst sogar stärker! Denn je mehr man besitzt, desto mehr kann man verlieren. Außerdem können einen Krankheiten, Gewalt, Unfälle oder Naturkatastrophen jederzeit treffen. Dabei ist es dem Zufall egal wie wir leben. Doch wir haben aus diesem Gefühl der Angst heraus unser kollektives Bedürfnis nach Freiheit und Autonomie unterdrückt, um ein Gefühl von Sicherheit zu bekommen. Und darunter leidet unsere Lebensqualität.

Wildbeuter vs Bauer; Autonomie vs. Sicherheit

Gerald Hüther, Deutschlands bekanntester Hirnforscher, sieht Sicherheit und Autonomie als die wichtigsten Triebfedern des menschlichen Verhaltens. Wir erleben im Bauch unserer Mutter neun Monate lang, wie beides parallel funktionieren kann. Wir entwickeln uns autonom und sind dabei so geschützt und sicher wie man eben sein kann. Der Rest des Lebens ist von einem Hin- und Her zwischen diesen beiden Bedürfnissen geprägt. Denn außerhalb des Mutterleibes können wir die beiden Bedürfnisse nur getrennt voneinander befriedigen. Wir können in einem bestimmten Moment entweder frei oder sicher sein. Nicht beides gleichzeitig. Nun hat uns unser Bedürfnis nach Sicherheit nach und nach vom Wildbeuter zum Bauern werden lassen.

Wildbeuter oder Bauer?- das ist hier die Frage 

Jetzt werden viele einwenden, dass heute nur noch ein sehr kleiner Bevölkerungsanteil als Bauern lebt und arbeitet. Das stimmt zwar. Aber nur oberflächlich. Die meisten von uns verhalten sich eher wie Bauern als wie Wildbeuter. Viele Menschen versuchen in ihrem Leben möglichst viel Besitz anzuhäufen. Also bleiben sie meist sehr lange in äußerst unbefriedigenden Lebenssituationen, wie schlechten sozialen Beziehungen oder unangenehmen Arbeitsverhältnissen, weil sie Angst haben ihren Besitz wieder zu verlieren. Sie werden krank und bitter. Aber ändern tun die wenigsten Menschen etwas. Die meisten Menschen leben heute nach dem Motto: Lieber viel und hart arbeiten, unglücklich sein aber dafür viel besitzen, als frei und glücklich zu sein aber sich mit den Unsicherheiten des Lebens intensiv auseinander setzen.

Sei ein moderner Wildbeuter; Sicherheit ist eine Illusion 

Sicherheit im Außen ist eine Illusion. Es ist egal wie viel Du besitzt, es macht dich weder sicher, noch autonom, noch glücklich. Autonom, sicher und glücklich kannst Du nur in deinem limbischen System sein. Die Wahrheit ist, Du wirst sterben, ich werde sterben. Wir können es nicht kontrollieren. Unser Leben wird nicht dadurch besser, dass wir viel erreichen oder besitzen, sondern dadurch, dass wir einen möglichst großen Anteil unserer Lebenszeit mit positiven Gefühlen und Gedanken verbringen. 

Wildbeuter und Lebensqualität 

In meiner Arbeit als Ernährungsberater ist mir eine Sache wirklich wichtig. Lebensqualität. Lebensqualität ist ein subjektives Empfinden, aber letztendlich entscheidend. Wir wünschen uns einen möglichst hohen relativen Anteil an Zeit, den wir genießen können. Eine kleine, vereinfachte Rechnung: Du lebst 80 Jahre, dann hast Du insgesamt gut 700.000 Stunden Lebenszeit. Wenn Du mehr Stunden damit verbringst glücklich zu sein und das zu genießen was Du tust, hast Du eine höhere Lebensqualität als wenn der Anteil der glücklichen Stunden kleiner ist. Eigentlich einleuchtend, oder? Doch so leben die wenigsten Menschen ihr Leben. Wir leben wie Bauern, die den Großteil ihrer Zeit schuften um eine bessere Zukunft zu haben. Irgendwann sterben wir. Einfach so. Ohne unsere Lebenszeit mit Genuss und Lebensqualität zu verbringen. Und ohne eine bessere Zukunft. Unsere Quarks, Fermionen und Bosonen gehen einfach wieder in den Kreislauf des Lebens über.

Ein moderner Wildbeuter werden

Um ein moderner Wildbeuter zu werden, müssen wir unser Denken verändern. Wir müssen damit beginnen für unser leibliches und psychisches Wohlbefinden zu sorgen um im Einklang mit unserer Natur zu leben. Wir müssen auf uns und unsere Umwelt genau achten, um die Chancen des Lebens wahrnehmen und nutzen zu können. Und wir müssen den Wunsch unsere Welt kontrollieren zu wollen hinter uns lassen. Stattdessen sollten wir uns zurück lehnen, das Leben genießen und unsere Schaffenskraft auf etwas fokussieren, was der Gemeinschaft zu gute kommt. Etwas, was uns gefällt und gleichzeitig die Lebensqualität für alle verbessert. So können wir mehr Lebenszeit für die wirklich wichtigen Dinge aufwenden. 

Für neue Blickwinkel in der Ernährungsberatung

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