Veränderung darf Spaß machen 

Körperliche oder psychische Schmerzen zu haben, schränkt die Lebensqualität erheblich ein. Niemand kann ernsthaft behaupten, dass es Spaß macht, sich mit der Abwesenheit der eigenen Gesundheit zu beschäftigen. Dadurch werden Ernährungsberatung und Ernährungstherapie zu ernsten Themen. Denn wer sich mit seiner Gesundheit auseinander setzt, hat meist ernsthafte Gründe dafür. Meistens liegt eine ernährungsbedingte Krankheit vor oder die Ratsuchenden haben Angst in Zukunft krank zu werden. Veränderungen werden üblicherweise durch Leiden eingeleitet. Paradoxerweise liegen die Chancen auf eine langanhaltende, positive Veränderung der eigenen Gewohnheiten aber in einer positiveren Betrachtung von uns selbst und der Welt um uns herum. Wie wir mit diesem Paradox umgehen können, beschreibe ich im heutigen Blogbeitrag.

Wie man essen lernt

Für die meisten Menschen ist ihr eigenes Essverhalten „normal“. Woran mag das liegen? Wir halten wir unser Essverhalten deswegen für „normal“, weil es bereits durch unsere frühesten Erfahrungen im Leben verankert wird. Das Essverhalten, welches unsere Eltern an den Tag legen, eignen wir uns instinktiv ebenfalls an. Diese Esskultur wird dann meist nicht mehr hinterfragt. Zu einem Hinterfragen des eigenen Essverhaltens kommt es meist erst wieder, wenn wir oder Menschen in unserem engen Umfeld krank werden. 

„Leiden ist der Impuls zur Veränderung.“

Veränderung heißt aus dem Leiden lernen

Wenn wir krank werden und leiden, hinterfragen wir am ehesten unser Essverhalten und unseren Lebensstil. Die Wichtigkeit der kritischen Zeitpunkte in unserem Leben, an denen wir bereit sind uns und unsere Gewohnheiten fundamental zu verändern, sollte nicht unterschätzt werden. An diesen Wendepunkten werden die Weichen für die nächsten oder restlichen Jahre unseres Lebens gestellt. Deswegen ist es umso wichtiger, dass wir in diesem Moment an einen emphatischen, wertschätzenden und authentischen Ernährungsberater geraten. Wenn wir leiden, sind wir verletzlicher als sonst.

Finden wir im Moment des Leidens den richtigen Ernährungsberater, kann sich unsere Identität, unsere Gewohnheiten und somit unser Leben langfristig in eine deutlich gesündere Richtung entwickeln.“

Der große Irrtum der Veränderung 

Der große Irrtum der Veränderung besteht darin, zu glauben, dass die Ansprache der Vernunft alleine zu gesünderem Verhalten führen könnte. Wenn unser Unterbewusstsein und unsere Vernunft in unterschiedliche Richtungen steuern, kommt es zu kognitiver Dissonanz. Dadurch streiten wir mit uns selbst und drehen uns im Kreis. 

Oftmals laufen Ernährungsberatung und Ernährungstherapie genau so ab. Doch es geht auch anders. Wir dürfen und sollten die Erkenntnisse der Soziologie, Psychologie und Neurowissenschaften nutzen, um kreative Möglichkeiten zu finden, gesundheitsförderliche Veränderungen attraktiv zu machen.

Gewohnheiten können nur geändert werden, wenn wir die Veränderung für uns selbst attraktiv gestalten.“

Veränderung darf Spaß machen

Wichtig ist bei der Umstellung der eigenen Essgewohnheiten, dass der Prozess der Veränderung Spaß macht. Lange bevor die ersten Menschen, sogar die ersten Säugetiere über den Erdball spazierten, gab es Prinzipien des Überlebens. Das erste und nach wie vor wichtigste Prinzip war und ist sehr simpel. Wenn Lebewesen auf einen Reiz in ihrer Umwelt treffen, müssen sie blitzschnell entscheiden. Freund oder Feind? Nahrung oder Gefahr? Freude oder Schmerz? Wir bewegen uns auf positiv bewertete Reize zu und von negativ bewerteten Reizen weg. 

Nur wenn Gesundheit Spaß macht, werden wir die gelernten Inhalte von Ernährungsberatung umsetzen. Wir bewegen uns auf die als positiv bewertete Erfahrung zu. Durch die Gewöhnung an die als positiv bewertete Erfahrung, wird die neue Gewohnheit zunehmend „normal“ für uns.

„Für langfristige Veränderungen des Essverhaltens ist es essenziell, die neuen Gewohnheiten mit Freude zu verknüpfen statt mit Schmerz.“