Nudging

Nudging- was ist das?

Stell dir vor, Du hast dir vorgenommen auf einer Party, zu der Du eingeladen bist, möglichst gesund und kalorienarm zu essen. Stell dir weiterhin vor, Du hast eine Freundin mit dabei und bittest sie, dir jedes Mal den Ellenbogen sanft in die Seite zu stupsen, wenn Du dir am Buffet etwas Süßes oder Fettiges holen möchtest. Deine Freundin schränkt keineswegs deine freie Entscheidung ein, sie macht dich nur darauf aufmerksam, dass Du in einem, von Vernunft bestimmten Moment, bereits eine andere, für deine Gesundheit bessere Entscheidung gefällt hast. Das ist Nudging. Dieser freundliche Stups mit dem Ellenbogen. Das Thema Nudging spielt eine große Rolle in unserer Entscheidungsfindung und daher für unser Leben. Warum das so ist, erläutert der heutige Blogbeitrag.

Negatives Nudging

Nudging findet ständig statt, allerdings meist zu unseren gesundheitlichen Ungunsten. Im Kapitalismus ist die besagte Freundin eher die, die dir sagt, wie toll das Buffet aussieht und wie toll es für dich wäre, möglichst viel davon in dich hinein zu stopfen. Dies habe ich bereits im Blogbeitrag über Priming beschrieben. Wenn Du eine Werbung siehst, in der eine unglücklich dreinschauende Person voller Genuss ihr Eis isst und plötzlich glücklich wirkt, ist diese Werbung wie deine Freundin am Buffet. Sie sagt dir:

„Hey Du, wenn es dir das nächste mal nicht so gut gehen sollte, habe ich eine schnelle Lösung für dich, für nur 2,50€.“

Positives Nudging

Thaler und Sunstein berichten in ihrem Buch „Nudge“ über sogenannte Wahl-Architekten. Diese sorgen z.B. durch geschickte Anordnung von gesunden und ungesunden Lebensmitteln in Cafeterias, dafür , dass Menschen gesundheitlich bessere Entscheidungen treffen. Ohne dabei in ihren Wahlmöglichkeiten eingeschränkt zu werden. Wenn der Staat dir, mit dem Zweck deine Gesundheit zu verbessern, dabei hilft bessere Entscheidungen zu treffen, wäre das nicht etwas Positives? Er sollte dir nicht sagen, dass Du den Schokoriegel nicht essen darfst, aber er sollte dir den Schokoriegel auch nicht besonders schmackhaft machen und präsentieren.

Nudging zu Ende gedacht 

Stell dir vor, unsere Werbe-Welt wäre von mehr Ethik geprägt. Wenn Marketingspezialisten nicht nur darüber nachdenken würden, was die meisten kurzfristigen Gewinne abwirft. Sondern viel mehr darüber, was fair, richtig und langfristig gut für die Menschen ist. Könnten wir nicht statt Süßigkeiten an der Supermarktkasse, Obst und Gemüse präsentieren? Oder Werbeplakate von FastFood-Läden verbieten und stattdessen auf Werbeplakaten für Essen, Appetit auf gesundheitsförderliche Lebensmittel machen? Dabei geht es nicht darum, den Verkauf ungesunder Produkte zu verbieten, sondern lediglich darum, ihn nicht weiter zu befeuern.

Nudging für Fairness

Ein großer Irrtum, dem wir nach wie vor erliegen, ist, dass wir Menschen stets rational die beste Entscheidung für uns abwägen und treffen. Dieses Paradigma der Wirtschaftswissenschaften wird dem wahren Wesen von uns Menschen nicht gerecht. Viel mehr sind wir stets hin- und hergerissen zwischen Vernunft und Unvernunft. Wäre dem nicht so, wäre Ernährungsberatung überflüssig. Deswegen macht uns eine große Vielfalt an Entscheidungsoptionen nicht unbedingt frei und glücklich. Nudging sollte uns befähigen, alltägliche, unterbewusste Entscheidungen nach unserem besten Interesse zu treffen. 

Nudging in unserem besten Interesse

In unserem besten Interesse ist ein Nudge dann, wenn er uns eine schnelle, unterbewusste Entscheidung treffen lässt, die wir ebenfalls getroffen hätten, wenn wir vernünftig darüber nachgedacht hätten. Das betrifft im Falle von Thaler und Sunstein nicht nur die Ernährung. Nudging betrifft alle Entscheidungen, die mit unserer Gesundheit, unserem Wohlstand und unserem Wohlbefinden zu tun haben. Dabei geht es auch politisch um eine grundlegende Frage:

„Wollen wir ein Wirtschaftssystem, welches die Interessen einiger weniger großer Unternehmen in den Vordergrund stellt? Oder ein System, welches die Gesundheit, den Wohlstand und das Glück ihrer Bürger maximiert?“