Moralische Ernährung 

Begeben wir uns 100 Jahre in unserer Geschichte zurück und versuchen Ernährung aus der damaligen Perspektive zu betrachten. Der erste Weltkrieg war gerade erst vorüber und die wirtschaftliche Situation deutlich bescheidener als heute. Außer-Haus-Verpflegung war völlig anders definiert, regional/saisonal war selbstverständlich und Fleisch war zu teuer um es täglich zu konsumieren. Essen hatte wenig mit Moral zu tun, sondern diente als Energielieferant für körperlich zehrende Aufgaben, z.B. in der Landwirtschaft, Industrie oder beim Militär. Betrachtet man die Dinge aus dieser Perspektive, ist es erstaunlich, wie sich die Angebotsstruktur für Lebensmittel verändert hat. Mittlerweile stellt sich eine neue Frage: Was ist moralische Ernährung?

Moralische Ernährung- Haben wir eine Wahl?

Als Verbraucher haben wir heute nahezu unendlich viele Wahlmöglichkeiten- auch im Supermarkt. Wir können uns alleine zwischen mehr als 20 verschiedenen Schokoladensorten entscheiden. Im letzten Jahrzehnt wird zunehmend darüber diskutiert, was eine moralische Ernährung ist und was es über den Charakter eines Menschen aussagt, ob er oder sie beim Thema Ernährung die Moral mit in seine Entscheidungen einfließen lässt. Die Frage hierbei ist, ob unser freier Wille, unsere Gene, die kulturellen Faktoren oder unsere Erziehung den Ausschlag geben bei unseren alltäglichen Konsumentscheidungen. 

„Verhält sich ein Veganer moralischer als ein Grillfan?“

Moralische Ernährung-Veganismus

Der Trend geht in die Richtung, dass geschaut wird, welche Auswirkungen die eigene Ernährungsweise auf das Tierwohl, Verteilungsgerechtigkeit und den Klimawandel haben könnte. Besonders Veganer treffen ihre Ernährungsentscheidungen meist aufgrund moralischer Überlegungen. Teilweise wird in diesem Rahmen sogar die eigene Gesundheit in den Hintergrund gerückt. Um gegen Massentierhaltung und Klimawandel vorzugehen, wird moralische Ernährung unter Veganern mit Abstinenz von tierischen Produkten gleichgesetzt. Tatsächlich wird mit dieser Ernährungsweise viel CO2 eingespart und Massentierhaltung überflüssig. Doch leider ruft ein Extrem meist ein gegenteiliges Extrem hervor.

Moralische Ernährung boykottieren 

Eine andere Bevölkerungsgruppe findet die Idee des Veganismus so abstoßend, dass deren Anhänger aus Prinzip extra mehr Fleisch und tierische Produkte zu sich zu nehmen scheinen. Nennen wir diese Bevölkerungsgruppe „Die Grillfans“. Für diese Menschen sind tierische Produkte in erster Linie eins: lecker. Deswegen grenzt sich diese Bevölkerungsgruppe ab, indem sie moralische Überlegungen bezüglich der Ernährung grundsätzlich ablehnt und boykottiert. Durch das Extrem des Veganismus fühlt sich diese überwiegend von Männern beherrschte Domäne gezwungen, ihre extremen Ansichten umso stärker auszuleben und als „männlichen Lebensstil“ zu feiern. Auch wenn es sie ihre Gesundheit kostet.

„Männlich sein um jeden Preis“

Moralische Ernährung sollte gesund sein

Uns Menschen scheint es generell schwer zu fallen, die Balance zu finden, statt in Extreme zu verfallen. Dabei sollte eine moralische Ernährung in erster Linie gesund für Körper und Geist sein. Eine ungesunde Ernährungsweise verbraucht letztendlich die meisten Ressourcen, weil Krankheiten die Gemeinschaft am meisten kostet. Meiner Meinung nach beginnt im Moment ein Trend, der versucht individuelle Gesundheit, Fairness und Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen. Ist diese Ernährungsweise vegan? Ist sie vegetarisch? Möglich. Von führenden Wissenschaftlern wurde zuletzt eine Mischkost empfohlen, die größtenteils pflanzlich ist, aber auch tierische Produkte in Maßen zulässt.

Moralische Ernährung beginnt mit kleinen Schritten

Sollte man sich komplett vegan ernähren und dadurch entweder auf Nahrungsergänzungsmittel angewiesen zu sein oder einen Nährstoffmangel riskieren? Das ist letztendlich eine individuelle Entscheidung. Es ist aber auch möglich sich als Mischköstler für Fairness und Moral zu entscheiden. Dafür muss man nicht komplett vegan leben. Auch kleine Schritte in die richtige Richtung sind besser als die Situation um Tierwohl, Klimawandel und Fairness vollständig auszublenden. 

Moralische Ernährung- Wo soll ich anfangen?

Die Menge an Fleisch und Wurstwaren auf maximal 600 Gramm pro Woche zu begrenzen und die Lebensmittelauswahl möglichst regional und saisonal zu gestalten, ist gesund für Mensch und Planet. Wer am Tierwohl interessiert ist, kann versuchen seinen Fleischkonsum auf maximal 300 g pro Woche zu begrenzen oder eine vegetarische Ernährung zu testen. Aber auch für Menschen, die nicht vollständig auf Fleisch verzichten wollen, gibt es Möglichkeiten. Die Transportwege möglichst kurz zu halten, ist z.B. eine großartige Möglichkeit moralische Ernährung zu praktizieren. 

Moralische Ernährung: Fazit

Sich moralisch zu ernähren, sollte kein Wettbewerb sein. Es sollte vielmehr auf Rücksicht und Verständnis basieren. Jeder Mensch hat andere Voraussetzungen und Ernährungsgewohnheiten. Jeder Schritt, der die Lebensqualität von Menschen und Tieren verbessert und unser Klima schützt, ist ein guter Schritt. Bei aller Begeisterung für eine moralische Ernährung sollte nicht vergessen werden, dass Ernährung in erster Linie dann moralisch und sinnvoll ist, wenn sie uns hilft unsere eigene Gesundheit zu schützen und zu verbessern. Denn gesunde Menschen können sich besser in die Gemeinschaft einbringen, da sie gesünder und fitter sind, kosten die Gemeinschaft weniger Ressourcen und verbessern ihre eigene Lebensqualität erheblich.

Vielen Dank für deine Aufmerksamkeit 🙂

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