Hunger und Sättigung

Was beschreiben die Begriffe „Hunger“ und „Sättigung“ eigentlich genau? Bedeuten diese Worte dasselbe, was sie in ihrem ursprünglichen Sinne ausdrückten?Heutzutage heißt Hunger in unserer Überflussgesellschaft meistens:”Hmm, langsam wird es mal Zeit etwas zu essen.“ Ausgehend von diesem Gedanken, habe ich darüber nachgedacht, was Hunger ursprünglich bedeutet haben muss. Stell dir vor, ein Steinzeitvölkchen von vielleicht 100 Personen, verlebt sein Nomadendasein. Manchmal gab es sicherlich reichlich zu Essen. Aber es gab auch Phasen, in denen mehrere Wochen kein Jagderfolg zu vermelden war. Wenn dann, nach Wochen voller Entbehrungen endlich aufgetischt werden konnte, wurde mit Sicherheit alles gegessen, was irgendwie reinging. Immerhin waren auch die Konservierungsverfahren noch nicht so ausgereift wie heute.

Satt sein oder weiterschlemmen?

Möglicherweise war die Fähigkeit, auch vollständig gesättigt weiter essen zu können, in der Steinzeit mitentscheidend für das Überleben. Bei uns in Deutschland ist das mittlerweile etwas anders. Bei uns ist der Supermarkt in der Nähe. Und im Notfall hat die Tanke 24/7 geöffnet. Mit Nachtschalter. Wirklicher Hunger kommt nicht mehr natürlich vor. Das Gefühl von Sättigung zu ignorieren ist in unserer Gesellschaft allerdings noch immer sehr in Mode.

Neue Generation- alte Paradigmen

„Iss deinen Teller leer, sonst gibt es schlechtes Wetter“ oder „Was auf dem Teller ist, wird auch aufgegessen“ sind Sätze, die wohl die meisten von uns bereits in diesem oder ähnlichem Wortlaut gehört haben. Aus gesundheitlicher Sicht, macht es keinen Sinn über den eigenen Hunger zu essen. Trotzdem wurde uns genau dieses Verhalten von Eltern und besonders Großeltern angeraten. Ich stelle die Hypothese auf, dass diese Forderungen Mitbringsel aus der Zeit des Krieges und der damit zusammenhängenden Entbehrungen sind. Unsere Großeltern haben es an unsere Eltern weitergegeben und diese haben uns dieses Verhalten mit auf den Weg gegeben.

Mal wieder das Thema „Achtsamkeit“

Wie lässt sich das beschriebene Problem lösen? Dafür ist es notwendig, dass wir uns der Tatsache bewusst und gewahr werden, dass unsere alltägliche Ess-Situation niemals entbehrlich ist. Wir müssen erkennen, dass unser Gefühl von Hunger nur eine blasse Silhouette des „wahren“ Hungers ist, den unser Körper dennoch problemlos auszuhalten vermag. Außerdem müssen wir alte Denk- und Verhaltensmuster reflektieren und gegebenenfalls verändern. Für mich persönlich birgt diese Erkenntnis eine Motivation anders zu essen. Und zu „hungern“.

Genüsslich hungern

Dabei geht es mir keineswegs darum, ein Plädoyer für Hunger-Diäten abzugeben. Ganz im Gegenteil. Ich esse gut. Ich esse auch gerne bis ich satt bin. Manchmal leider auch bis ich richtig vollgestopft bin. Daran arbeite ich noch- denn so ein Prozess dauert lange.
Allerdings zögere ich einzelne Mahlzeiten gerne hinaus. Besonders das Frühstück. Statt, wie es früher meine Gewohnheit war, quasi reflexartig nach dem Aufstehen zu essen, warte ich heute lieber die Signale meines Körpers ab. Wenn ich dann richtig hungrig bin, genieße ich bereits die Zubereitung meines Frühstücks. Der Geruch lässt mir das Wasser im Mund zusammenlaufen. Ich verspüre richtiggehend Vorfreude.

Fazit und Zusammenfassung

Wenn wir es schaffen wollen, in unserer adipogenen Umwelt körperlich leistungsfähig zu bleiben, müssen wir begreifen, dass unser geerbtes und gelerntes Essverhalten veränderbar ist. Sonst sind wir gezwungen zu akzeptieren, dass unsere Überfluss-Gesellschaft uns fett macht. Das möchte ich nicht. Ich möchte neue Wege gehen und unsere Blickrichtung ändern, um die in den letzten Jahrzehnten entstandenen Probleme mit Übergewicht und Adipositas zu bewältigen.

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