Gesundes Essen: mehr als gute Vorsätze

Gesundes Essen: mehr als gute Vorsätze

Es ist Januar. In ganz Deutschland haben Menschen gute Vorsätze. Fitnessstudios erfreuen sich steigender Mitgliederzahlen und beim Lauftreff in Hannover sind mehr Leute als man das bei Minusgraden auf dem Thermometer erwarten könnte. Diätratgeber werden abgestaubt oder die X-te Diät begonnen. Die Schwierigkeit scheint für viele zu sein, dass es beim gesunden Essen nicht nur darum geht etwas zu tun, sondern darum etwas nicht zu tun. Sich für eine Stunde Sport zu motivieren, erscheint vielen ohne weiteres möglich. Aber den ganzen Tag auf ungesundes Essen zu verzichten, das ist eine ganz andere Herausforderung. Gesundes Essen hängt von vielen Faktoren ab und zwar nicht zuletzt von den eigenen Fähigkeiten und Ressourcen. Kann es unter diesen Umständen überhaupt ein Diätprogramm geben, das für jeden Menschen funktioniert?

Gesundes Essen definieren:

Was ist eigentlich gesund? Obwohl die Diskussionen über gesundes Essen nicht abreißen, sind die Grundsätze mehr oder weniger klar und öffentlich zugänglich. Wir sollten uns überwiegend pflanzlich ernähren, Zucker reduzieren, viel Obst und Gemüse essen und ausreichend Wasser trinken. Dabei sollten wir uns Zeit zum Essen nehmen, achtsam sein und unser gesundes Essen genießen. Kommt dir das bekannt vor? Dann geht es dir wie den meisten Menschen. Diese Grundsätze sind bekannt oder zumindest nicht überraschend.

Gesundes Essen messen:

Ein weiterer Ansatz um gesundes Essen zu definieren, ist es messbar zu machen. Mit verschiedensten Verfahren werden Mikronährstoffspeicher im Körper untersucht, die Bioverfügbarkeit von Supplementen getestet. Teilweise werden sogar DNA-Tests angeboten, die angeblich Rückschlüsse auf die individuell richtige Ernährungsweise zulassen. Bisher bleibt es bei einem „angeblich“. Alles was ich in meinem Studium, meinen Weiterbildungen und durch etliche Fachbücher gelernt habe ist: 

„Das Leben ist komplex und voller offener Fragen. Die Mutigen unter uns sind bereit sich das einzugestehen, die anderen wählen Donald Trump“.

Gesundes Essen: Eine freie Entscheidung?

Ist gesundes Essen etwas, was wir frei wählen können? Gibt es überhaupt so etwas wie einen freien Willen? Alleine um die letzte Frage streiten sich von der Antike bis heute Philosophen, Psychologen und neuerdings auch Hirnforscher. Durch immer exaktere Messmethoden können wir nach und nach mehr Geheimnisse unseres Gehirns lüften, aber wir stehen erst am Anfang. Ich habe gelernt, mich gesund zu ernähren und weitestgehend gesund zu leben. Dies gelingt mir allerdings nicht durch einzelne, kurzfristige Entscheidungen. Wenn ich bei Freunden auf der Couch sitze und Süßigkeiten oder Chips vor mir stehen, bin ich all zu häufig machtlos und schlage zu. 

Gesundes Essen: Vernunft 

Vernünftige Entscheidungen hängen laut Neurowissenschaften mit der Aktivität unserer präfontalen Kortex zusammen, einem Teil unseres Gehirns, welcher für die Artikulation von Sprache zuständig ist. Dort sitzt auch der Teil von uns, mit dem wir uns identifizieren und mit dem wir denken. Dieser Teil wird auch „Erinnerndes Ich“ genannt( s. Kahneman; Schnelles Denken, langsames Denken). Doch wenn dieser Teil von uns wirklich die Entscheidungen treffen würde, wären wir dann nicht alle in Topform, super erfolgreich und glücklich?

Gesundes Essen heißt: Erkenne dich selbst

Leider ist der Teil mit dem wir uns identifizieren nicht der Hauptentscheidungsträger. Eher ein Regierungssprecher, der uns die Entscheidungen unseres Unterbewusstseins versucht, logisch zu erklären. Der Teil in uns, der Entscheidungen trifft, sitzt im limbischen System, in unserem Unterbewusstsein. Bei diesen Entscheidungen geht es nicht darum, was wir denken, was gut für uns ist, sondern wie wir fühlen. Dabei geht unserem Unterbewusstsein einzig und allein darum uns zu schützen. Wir werden von Schmerz und Freude durch das Leben geführt, nicht von unserer Ratio( s. Kahneman; schnelles Denken, langsames Denken). Das ist der wichtigste Erkenntnisschritt um der Gestalter unseres Lebens zu werden.

Gesundes Essen: Starte mit Warum 

Simon Sinek empfiehlt Unternehmensgründern zuerst mit ihrem „Warum“ zu starten, bevor sie über das „Wie“ oder das „Was“ ihrer Unternehmung nachdenken sollen. Die erste Frage für gesundes Essen sollte also lauten: „Warum sollte ich gesund essen und leben?“ Danach kommt das wie und dann das was. Letztendlich geht es bei einer Ernährungsumstellung darum, alte, eingefahrene Wege des Gehirns zu identifizieren, neue Wege zu entdecken und diese dann zu gehen. Das ist dasselbe Prinzip, mit dem die Psychologie Menschen hilft, glücklicher zu leben. 

Gesundes Essen braucht Sprache

Wir können uns verändern, aber gerade bei den eingefahrenen Denk- und Handlungsmustern brauchen wir dabei Unterstützung. Zum Beispiel einen Ernährungsberater, der uns zuhört, da uns die eingefahrenen Muster unseres Gehirns nur so bewusst werden. Abschließen möchte ich daher mit einem Zitat aus dem Buch „Die Macht der Kindheit“ von Meg Jay, einer Professorin für klinische Psychologie und Bestseller-Autorin. Auf Seite drei heißt es:

„Diese Studien lassen darauf schließen, dass Wörter eine Verschiebung der Aktivität von der Amygdala zum präfontalen Kortex bewirken und dass folglich, wenn wir mit Wörtern arbeiten, die Emotion durch die Vernunft verdrängt wird.“

Danke für deine Aufmerksamkeit 🙂