Gesund essen- Eine Herausforderung

Gesund leben- Eine Herausforderung

Gesund leben- Wer entscheidet das eigentlich?

Wenn wir gesund leben wollen, müssen wir unsere Umwelt dementsprechend beeinflussen, sonst beeinflusst unsere Umwelt uns. Den ersten wissenschaftlichen Schritt in diese Richtung machte mein Denken 2017 beim Lesen von Daniel Kahnemans Klassiker „Schnelles Denken, langsames Denken“. Damals wurde ich durch die Lektüre dieses Buches in eine mittelgroße Sinnkrise gestürzt. Vorher ging ich fest davon aus, dass ich mein Leben in der Hand hätte, dass ich meine Entscheidungen selbst träfe und dass mein Erfolg im Leben von meiner Disziplin bestimmt würde. Mittlerweile sehe ich die Welt buchstäblich mit anderen Augen. Dieser Paradigmenwechsel hat mein Verständnis von Gesundheit und Ernährungsberatung stark modifiziert.

Gesund leben ist meine Sache

Damals war ich fest davon überzeugt, dass die Entscheidung gesund zu leben von mir, also von meinen bewussten Gedankengängen bestimmt wäre. Wenn ich gesund essen möchte, muss ich es einfach nur tun, wenn ich Nichtraucher sein möchte, muss ich auf Zigaretten verzichten und so weiter. Bis zu einem bestimmten Grad scheint das zu stimmen, aber leider sind wir nicht der einzige Entscheidungsträger in unserem Gehirn. Wir sind nicht mal der Chef des Aufsichtsrats in unserem Kopf, eher der Praktikant.

Gesund leben ist nicht meine Sache

Den Typen mit dem wir uns identifizieren, nennen wir der Einfachheit halber „Ratio“. Ratio fühlt sich ziemlich mächtig, wichtig und hochintelligent. Er kapiert allerdings nicht, dass er den Laden nicht alleine schmeißen kann. Ratio geht davon aus, dass bewusstes Denken, dem unbewussten Denken überlegen ist, rennt allerdings den halben Tag herum, um die Aufgaben des Unterbewusstseins( seines Chefs) zu erledigen, während er sich in der anderen Hälfte des Tages einredet, die Gründe für sein Verhalten seien seine eigene Idee gewesen. Wenn etwas gut gelaufen ist, klopft er sich auf die Schulter und ist verdammt stolz auf sich.

Gesund leben- Primereize aus der Umwelt

Wenn Ratio durchs Leben marschiert, gibt ihm plötzlich sein Chef den Befehl, ihm ein belegtes Brötchen zu kaufen. Eigentlich hat der aus der Bäckerei strömende Geruch sowie die appetitlich aussehenden Brötchen im Schaufenster seinem Unbewussten signalisiert, dass es sich den Geschmack des Brötchens nicht nur vorstellen- sondern auch sinnlich erfahren möchte. Die Primereize( olfaktorische und visuelle) haben den Wunsch nach dem belegten Brötchen hervorgerufen. Doch Ratio ist davon überzeugt, dass es aus guten Gründen notwendig wäre, dieses Brötchen genau jetzt zu essen. 

„Ich habe eben Hunger. Und wenn ich Hunger habe und nichts esse, werde ich unleidlich und kann mich nicht konzentrieren.“

Gesund leben- Erkenne die Grenzen deiner Vernunft 

Wenn wir dann das Brötchen gegessen haben, sind wir häufig unzufrieden, weil wir gegen unsere bewussten Vorsätze gehandelt haben. Gleichzeitig findet Ratio allerlei Gründe, warum es eine vernünftige Entscheidung war, dies zu tun. Dabei hatte diese Entscheidung nichts mit Vernunft zu tun. Ganz im Gegenteil. Diese Entscheidung war ganz und gar unvernünftig und je mehr Ratio die Macht der Vernunft verteidigt, desto eher fällt er in der Zukunft wieder auf Primereize herein. 

„Wer steif und fest behauptet, Werbung oder Überzeugungsversuche anderer Menschen beeinflussten ihn nicht, ist von anderen am leichtesten zu kontrollieren. Besteht man darauf, dass die Handlungen anderer keinen Einfluss darauf haben, was man selbst tut, ist man offen für Ansteckungseffekte.“John Bargh- Vor dem Denken- wie das Unbewusste uns steuert; Kapitel 274( Hörbuch bei Audible).

Gesund leben- Hat Kant nur halbrecht?

Kant war der Meinung, dass der Mensch ein „vernunftbegabtes Tier“ sei. In einer von Primereizen weitestgehend befreiten Umwelt wie dem ländlichen Königsberg im 18. Jahrhundert mag diese Begabung zur Vernunft entscheidend gewesen sein. Doch wie sieht es im 21. Jahrhundert in Großstädten aus, die vollgestopft sind mit Werbeplakaten und anderen Primereizen, die uns ständig dazu auffordern unser hart verdientes Geld für ungesunde Lebensmittel zu verschleudern?

Mit dieser Frage, vertröste ich dich auf nächste Woche, möchte dich aber mit einem Zitat des Sozialpsychologen John Bargh zum Nachdenken anregen:

„Kinder und Erwachsene essen signifikant mehr ungesunde Lebensmittel, wenn sie vorher eine Werbung für ungesunde Lebensmittel gesehen haben.“– Vor dem Denken- wie das Unbewusste uns steuert; Kapitel 218( Hörbuch bei Audible).

Die psychologischen Erkenntnisse von John Bargh sind die wissenschaftliche Grundlage für die Aktion „Gemeinsam gesünder gestalten“.