Genießen statt Verzichten

Genießen statt Verzichten

Wenn wir über Möglichkeiten sprechen mit unserem eigenen Verhalten, Treibhausgasemissionen einzusparen, gehen viele Menschen direkt in Deckung. Warum ist das so? Ich vermute, dass ein großer Teil der Antwort darin zu suchen ist, dass wir dazu neigen, uns gegenseitig zu beschuldigen. Wir scheinen unser Engagement für den Klimaschutz daran zu bemessen, wie sehr wir unter unserem Verzicht leiden. Doch, wer möchte schon gerne verzichten? Niemand! Es klingt furchtbar. Es klingt nach Lebensträume begraben und das will nun wirklich keiner. Stattdessen dürfen wir damit beginnen, die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Klar, wir konsumieren zu viel und müssen uns zukünftig einschränken. Doch wir können in unserer Kommunikation den Genuss in den Vordergrund stellen, statt den Verzicht. Wie das funktionieren kann, erkläre ich euch im heutigen Blogbeitrag.

Was ist Genuss?


Es gibt Aktivitäten, die uns Freude bereiten. Bei diesen Aktivitäten hat unser Gehirn gelernt, Hormone und Botenstoffe auszuschütten, die unser Belohnungssystem aktivieren. Menschen ziehen das Gefühl der Belohnung aus unterschiedlichen Aktivitäten. Das reicht von körperlicher bis hin zu psychischer Stimulation. Oftmals sind von Außen zugeführte Substanzen im Spiel, aber auch Aktivitäten, wie Sport, Spielen und Lachen können unser Belohnungssystem aktivieren. Das fühlt sich gut an und wir neigen dazu, das mit den positiven Emotionen verbundene Verhalten zu wiederholen.


Genuss in den Vordergrund stellen

Jeder Mensch mag Genuss. Aber die Aktivitäten, die wir mit Genuss verbinden, variieren von Mensch zu Mensch. Die aktuelle Situation, in der ein emissionsarmes Handeln, Leben und Wirtschaften alternativlos ist, benötigen wir eine Kommunikation, die die Menschen zu einer Verhaltensänderung inspiriert, statt sie zu verurteilen. Es scheint um ein Vielfaches attraktiver, an seinen Konsummustern zu arbeiten, weil diese Arbeit eine Steigerung von Genuss und Wohlbefinden verspricht, als aus Angst, sozial verurteilt zu werden. 

„Es wird unser Zeit, unsere gesellschaftlichen Paradigmen in Richtung von achtsamen Genuss zu verschieben“

Genuss begrenzt sich selbst

Genuss ist etwas Wundervolles! Eine wichtige Erkenntnis über Genuss ist, dass er sich selbst begrenzt. Kein Mensch kann die vierte Tafel Schokolade genießen, wenn er davor bereits drei Tafeln unachtsam in sich hinein gestopft hat. Deswegen ist Genuss aber auch nicht leicht. Denn wenn ein Mensch Lust auf etwas verspürt, sei das Schokolade, Wein, Nikotin, Sex oder ähnliches, ist es besonders schwierig die nötige Achtsamkeit an den Tag zu legen. Die Fähigkeit zum Genuss geht mit einem Bewusstsein über die damit verbundene, notwendige Achtsamkeit einher. 

„Ohne Achtsamkeit ist kein wahrer Genuss möglich.“

Sucht ist die große Schwester des Genusses

Es ist recht häufig, dass wir uns für unseren Genuss schämen und ihn vor unseren Mitmenschen eher geheim halten. Das könnte damit zu tun haben, dass unser liebster Genuss nicht selten ungesund ist und wir das Gefühl haben, nur schwer darauf verzichten zu können. Der Grad zwischen Genuss und Sucht ist schmal. Jeder Mensch ist in seinem Handeln lieber unabhängig als an den Konsum bestimmter Substanzen oder Verhaltensweisen gebunden zu sein. Diese Unabhängigkeit zu bewahren, ist eine Alltagsherausforderung, die wir am besten mit achtsamen Genuss bewältigen können. 

„Genießen ist erlernbar und hat das Potenzial unseren Konsum auf angenehme Art und Weise zu begrenzen.“

Genuss und Politik

Seit die Grünen versucht haben, einen verpflichtenden Veggie-Day einzuführen, sind die politischen Parteien auf der Hut. Denn die Grünen mussten für den Versuch die Deutschen zum Fleischverzicht zwingen zu wollen, ordentlich einstecken. Konsumverzicht politisch anzuordnen ist zwar klimapolitisch äußerst sinnvoll, aber die „Du-musst-verzichten-Kommunikation“ funktioniert nicht. Kann die Politik stattdessen über die „Genuss-Kommunikation“ indirekt dazu beitragen, dass wir mit Vergnügen bzw. Genuss verzichten?

„Wenn die Politik, mit geschickten Kommunikationsstrategien, den Menschen hilft zu realisieren, dass die eigenen Interessen, von Genuss, über Verantwortung für die eigenen Kinder & Enkel, bis hin zur individuellen Gesundheit, Hand in Hand mit freiwilliger Konsumreduktion gehen, könnte das den gesellschaftlichen Paradigmen-Wechsel beschleunigen.“