Essgeschichten

Essgeschichten

Wir Menschen sind die einzigen Lebewesen mit der Fähigkeit uns selbst fiktive Geschichten zu erzählen. Das klingt erstmal banal. Aber ohne diese Fähigkeit würden wir immer noch auf Bäumen leben. Denn um eine bessere Zukunft zu erschaffen, mussten und müssen wir zuerst damit beginnen sie uns auszumalen. Ohne unsere Phantasie wären Erfindungen wie Flugzeuge, Autos, IPhones und etliche weitere Errungenschaften der Menschheit niemals Wirklichkeit geworden. Das Thema heute sind Essgeschichten und was das Erzählen von Geschichten mit meiner Arbeit als Ernährungsberater zu tun hat.

Unsere eigene Geschichte 

Auch unsere eigene Lebensgeschichte ist alles andere als eine realistische Rekonstruktion der Vergangenheit. Sie ist eine Geschichte, die wir uns selbst erzählen. Dabei vergessen und erfinden wir ständig Dinge, damit die Geschichte kongruent erscheint. Da also unsere eigene Lebensgeschichte eine Fiktion ist, können wir uns auch eine andere, bessere Geschichte erzählen. Hiermit schlage ich den Bogen zu meiner Kernkompetenz. Ernährung und Essen. Als Ernährungsberater bin ich mit den individuellen Herausforderungen unserer Zeit beim Essen vertraut. Eine neu erzählte Essgeschichte über uns selbst kann uns helfen unser Essverhalten zu verändern.

Essgeschichten und Identität

Geschichten die wir uns und unseren Mitmenschen erzählen, müssen uns selbst kongruent erscheinen. Dazu zwei Beispiele. Wer sich selbst für einen echten Kerl hält, meint häufig viel essen zu müssen. Besonders viel Fleisch. Er muss dann vielleicht ein echtes Schwergewicht sein, auch wenn er damit seiner Gesundheit und seiner Umwelt schadet. Jemand der an die Umwelt denkt und nachhaltig leben möchte, isst deswegen möglicherweise vegan. Wenn dies zur Folge hat, dass diese Person sich nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgen kann, Mangelerscheinungen entwickelt und krank wird, ist das schlecht für ihn oder sie und die Umwelt, da medizinische Behandlungen viele Ressourcen binden. Das sind nur zwei Extrembeispiele. Doch die Kernaussage ist folgende:

„Unsere Identität bestimmt unser Essverhalten“

Ideologische Essgeschichten 

Wie an den oben genannten Beispielen zu sehen, können unsere Essgeschichten leicht ins ideologische abrutschen. Dann können sowohl unsere Essgeschichten als auch das Essen selbst zu Gewohnheiten werden, die wir schwer wieder loswerden. Für mich als Ernährungsberater bedeutet das, dass es keinerlei Sinn macht am oberflächlichen Verhalten zu arbeiten. Solange mein Gegenüber unterbewusst glaubt, dass ein bestimmtes Essverhalten essenzieller Teil seiner Identität ist, wird er dieses Verhalten erst dann ändern können, wenn er beginnt sich selbst zu verstehen und sich eine alternative Geschichte zu erzählen.

Essgeschichten umschreiben

Als Ernährungsberater versuche ich darauf hinzuarbeiten, dass meine Klienten ihre eigene Essgeschichte sinnvoll umschreiben. Ich kann meine Klienten nicht ändern, sondern sie lediglich anregen, neue Blickwinkel einzunehmen. Es hilft nicht langfristig, sich zusammen zu reißen und disziplinierter zu sein. Wer sich und sein Essverhalten verändern möchte, muss damit beginnen es zu verstehen und sich selbst andere Geschichten zu erzählen. Dabei zu helfen, ist meine Berufung. Meiner Meinung nach ist die gemeinsame Arbeit an Essgeschichten die beste Möglichkeit für mich als Ernährungsberater, Menschen dabei zu helfen, gesund und glücklich zu leben. Denn wie meine Mutter schon seit Jahrzehnten weiß:

„Das Tor zur Veränderung kann nur von innen aufgestoßen werden.“

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