Baby mit Wassermelone

Emotionen und Entscheidungsfindung 

Unsere Grundemotionen

Laut Darwin haben wir Menschen sechs grundlegende Emotionen. Furcht, Traurigkeit, Wut, Überraschung, Ekel und Freude. Seiner Auffassung nach haben alle Menschen, egal wo sie geboren sind, diese sechs Grundemotionen. Obwohl seit seiner Veröffentlichung zu diesem Thema bereits 150 Jahre vergangen sind, sind auch heute viele Wissenschaftler der Meinung, dass Darwin weitestgehend Recht hatte. So hat der Psychologe und Anthropologe Paul Ekman den sechs Basisemotionen lediglich eine siebte Emotion hinzugefügt: Verachtung. Auch, wenn ich mich hier in einen spekulativen Bereich begebe, finde ich Gedankenspiele, die unsere evolutionäre Ausstattung mit unserer heutigen Umwelt verbinden, super spannend. Du auch? Dann schau mal rein 🙂

Grundlegende Gedanken zu Emotionen

Die Entwicklung unserer Emotionen halfen uns vom „Flight, Fright, Fight or Sex“- Programm unserer frühen, hirnstammgesteuerten, primitiven Vorfahren zu komplexerem Verhalten zu gelangen. Emotionen gaben unseren Vorfahren ein größeres Spektrum an möglichen Entscheidungen. Über Millionen von Jahren der Evolution entwickelte sich so ein ausgeklügeltes System, das uns half in unserer Umgebung besser zurecht zu kommen. Heute möchte ich meine Vorkenntnisse und Leidenschaften für Ernährungs- und Neurowissenschaften sowie Sozialpsychologie philosophisch kombinieren, um darüber nachdenken zu können, wie Emotionen und Entscheidungsfindung in unserer modernen Gesellschaft zusammenspielen.

„Wichtig: Emotionen und Gefühle müssen streng voneinander unterschieden werden!“

Die Grundfunktionen von Emotionen

Der Großteil unseres evolutionären Programms dient zwei Aufgaben. Überleben und Reproduktion. Wenn man sich die sechs bzw. sieben benannten Grundemotionen anschaut, erkennt man, dass Freude die einzige rein angenehme Emotion ist. Während die fünf bzw. sechs anderen eindeutig unangenehm sind. Die meisten Emotionen könnten sich entwickelt haben, um uns vor Gefahren zu warnen (Ekel, Furcht), uns auf vergangene Fehler aufmerksam zu machen (Traurigkeit, Verachtung), unsere Achtsamkeit zu erhöhen (Überraschung) und uns zu verteidigen (Wut). Letztendlich fallen die fünf unangenehmen Emotionen vermutlich in die Kategorie des Überlebens. 

Freude als Emotion zur Reproduktion? 

Warum macht uns ein malerisch schöner Sonnenaufgang oder ein lachendes Baby Freude? Das ist eine gute Frage. Soll uns Freude, evolutionär gesehen, Lust auf Leben machen? Hat uns die Evolution deswegen mit der Emotion der Freude ausgestattet, um uns die alltäglichen Strapazen durchstehen zu lassen? Vielleicht sind Menschen, die stärker zur freudigen Emotion neigen, häufiger in der Lage ihre Gene weiterzugeben. Denn wir mögen Menschen die sich freuen können meistens lieber als Menschen, die ständig niedergeschlagen sind. Eine interessante Frage ist meiner Meinung nach folgende:

„Könnten Menschen, die im hohen Maß zu Freude neigen, evolutionär gesehen häufiger zur Reproduktion fähig und Menschen, die eher zu unangenehmen Emotionen neigen, besser im Überleben sein?“

Emotionen in der heutigen Welt

Unsere sechs bzw. sieben Basisemotionen haben uns im Laufe unserer evolutionären Geschichte geholfen zu überleben und uns zu reproduzieren. Doch in unserer heutigen Welt, dem sogenannten Anthropozän sind unangenehme Emotionen, die früher das Überleben unserer Vorfahren bewahrt haben, deutlich weniger sinnvoll. Denn die Emotionen Furcht, Wut, Verachtung, Traurigkeit und Ekel sorgen für eine Entfremdung zwischen Menschen, Völkern und den Notwendigkeiten unserer Ökosysteme. Außerdem machen uns unsere Emotionen höchst anfällig für Manipulationen von Außen. 

Manipulation 

Wer meinen Blog verfolgt, weiß, dass ich ein großer Fan des Sozialpsychologen John Bargh bin. Ein renommierter Wissenschaftler, der in Yale das menschliche Unbewusste erforscht und mit „Vor dem Denken- wie das Unbewusste uns steuert“ einen Meilenstein gesetzt hat. Dabei wies er in hoch intelligenten und anerkannten Experimenten nach, dass durch das Auslösen bestimmter Emotionen wie Traurigkeit und Ekel unser Kauf- und Verkaufverhalten unbewusst beeinflusst werden kann. Etwas, was in unserem Alltag ständig passiert. Ob im Supermarkt, beim Einkauf im Internet oder Einkaufscenter. 

Emotionen im Anthropozän – Fazit

In den letzten Jahren habe ich eine unstillbare Neugier und Begeisterung für die Schnittstelle zwischen Ernährungswissenschaften, Sozialpsychologie und Neurowissenschaften entwickelt. Dort befinden sich so viele spannende Implikationen für menschliches Verhalten und gesellschaftliche Weiterentwicklung. Emotionen sind elementare Bestandteile menschlichen Erlebens. Sie beeinflussen uns weit unterhalb unserer Bewusstseinsschwelle und steuern unser Verhalten. Heutzutage sind Unternehmen und autokratische Regierungen nah dran, uns über unsere Emotionen komplett steuern zu können. Deswegen sind wir drauf und dran vom Menschen zum Konsumenten herabgestuft zu werden.

„Wenn wir Menschen bleiben wollen, sollten wir Emotionen und unser Unbewusstes in den Mittelpunkt der gesellschaftlichen Debatte stellen.“