Eine kurze Geschichte über Essen Teil 2

Essen und Überfluss

Als das Jahr 2000 eingeläutet wurde, begann das erste Jahrtausend, indem Hunger in den meisten Teilen der Welt kein großes Thema mehr war. Das ändert natürlich nichts daran, dass wir auf diesem Feld noch vor großen Herausforderungen stehen. Auch 10% hungernde Menschen sind 10% zu viel. Doch im Vergleich zu allen anderen Jahrtausenden ist der Beginn des 21. Jahrhunderts voller Wohlstand und Fülle. Das ist für uns Menschen allerdings nicht ohne Nebenwirkungen. Mit einem Gehirn das 300000 Jahre gegen das Verhungern gearbeitet hat, stehen wir jetzt vor ganz neuen Herausforderungen. Diese Herausforderungen des modernen Essen, davon bin ich überzeugt, lassen sich nur im gesellschaftlichen Kollektiv bewältigen. Die Frage ist: Wie?

Essen und gesellschaftlicher Wandel

Ursprünglich haben sich Homo Sapiens in Gruppen zusammengefunden, weil es bessere Chancen für das Überleben( Schutz und Nahrungssuche) und zur Reproduktion( Sex) bot. Mittlerweile ist die Menschheit so stark vernetzt, dass Sex, Schutz und Nahrung mehr oder weniger frei verfügbar sind. Während wir früher unsere Zeit und Energie vollständig dafür nutzten, um zu überleben und uns fortzupflanzen, haben wir heute ungeahnte Mengen an frei verfügbarer Zeit und viel mehr Essen( Energie) als uns gut täte.

Früher waren arme Menschen dünn, heute sind arme Menschen fettleibig.

Essen und Gesellschaft früher

Wie lief die Verteilung in vergangenen Epochen ab? Jeder hatte seine gesellschaftliche Aufgabe. Ob Jäger oder Sammler oder in späterer Zeit Müller, Bäcker, Steinmetz usw. Wir waren aufeinander angewiesen und haben unsere Waren und Dienstleistungen miteinander getauscht. Diese, für alle sichtbare Umverteilung von Ressourcen schaffte Resonanz und Verbundenheit in der Gesellschaft. Es mussten schlichtweg Gemeinschaften entstehen.

Essen und Gesellschaft heute

Heute bröckelt diese Gemeinschaft zunehmend. Wir haben Sicherheit und Essen genug, ja sogar zu viel des Guten. Und Sex wird von der Industrie als Instrument genutzt um die primitiven Bereiche unseres Gehirns anzusprechen und uns zum Konsum zu animieren. Von Essen zum Beispiel. Unser Arbeitsleben fußt kaum noch auf Resonanz und Gemeinschaft, sondern viel mehr auf Konkurrenz, Status und Ressourcenakkumulierung.

Ist es nicht verrückt, dass unsere Gesellschaft ganze Berufszweige hervorgebracht hat, die dafür verantwortlich sind, unseren Abfall zu „entsorgen“?

Essen, Kapitalismus und die Folgen

Die Verantwortung für unsere Gesellschaft sehe ich auf politischer Ebene. Hier benötigen wir meiner Meinung nach große, regulierende Veränderungen. Warum?

Der Kapitalismus und seine freien Märkte bringen uns eine riesige Auswahl an Lebensmitteln( und anderen Waren). Außerdem muss sich das System „Kapitalismus” ständig dynamisch steigern und Wirtschaftswachstum generieren, um sich selbst zu erhalten. Deswegen müssen auch immer größere Mengen an Essen und anderen Waren verkauft werden.

Für unseren Planeten bedeutet dies fehlende Nachhaltigkeit und für uns Menschen ein unglückliches und ungesundes Leben im Hamsterrad aus Produktion und Konsum.

Essen und Gemeinschaft

Ich bin davon überzeugt, dass wir Essen wieder mehr Raum in unserem Alltag geben müssen, wenn wir ein gesundes Verhältnis dazu entwickeln wollen. Ideen wie diese: https://foodsharing.de/?page=content&sub=forderungen halte ich für einen großartigen Anfang. Aber auch die Politik muss damit beginnen, für uns Menschen die Rahmenbedingungen zu schaffen, die es braucht, um unseren Alltag zu entschleunigen und mehr Zeit und Raum für die Nahrungszubereitung und den Genuss zu schaffen!

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