Der perfekte Mensch

Letzte Woche habe ich den Film „Jugend ohne Gott“ gesehen. Höchst empfehlenswert! Das dort gezeichnete gesellschaftliche Bild ist beklemmend. Die ganze Szenerie wirkt sehr futuristisch und technologisiert. Die Menschen sind in Klassen und feste Wohnbezirke eingeteilt. Wer seinen Wohnbezirk verlässt ist ein „Illegaler“ und in aufwendigen Bootcamps wird die Elite der Elite ausgewählt, um die Gesellschaft zu führen. Verrückt ist meiner Ansicht nach, dass ein Mensch, der nicht in unserem kapitalistischen System aufgewachsen sind und unsere heutige Welt betrachtet, das selbe beklemmende Gefühl beschleichen könnte wie mich beim Ansehen des Films.

Steigerungswahn vs. Mensch  

Wir sollen funktionieren, unsere Arbeit machen, uns reinhängen, Prioritäten setzen, aufsteigen, nach oben buckeln und nach unten treten. Wo führt uns das hin? Wenn wir die letzten menschlichen Schwächen ausgemerzt haben, wenn wir nur noch danach streben, die Besten der Besten zu werden( Worin auch immer). Wenn unsere Gesellschaft nur noch existiert- wenn wir Menschen nur noch leben um zu leisten. Sind wir dann noch Menschen?

Was macht den Mensch zum Mensch?

Über Jahrtausende glaubte sich der Mensch schon deswegen sinnvoll, weil Gott ihn geschaffen hat. Ein Teil der göttlichen Schöpfung zu sein, spendet Trost, Demut und Dankbarkeit. Doch wie Nietzsche schon sagte und besagter Film thematisiert:

“Gott ist tot.“ 

Das ist keine Blasphemie. Ich bin Agnostiker, ich weiß einfach nicht- und werde es in diesem Leben ( vermutlich) nie wissen, ob es einen Gott gibt oder nicht. Doch in unserem Arbeitsleben und in fast allen gesellschaftlichen Bereichen spielt Gott keine Rolle mehr. Doch wenn wir uns nicht mehr als Gottes Schöpfung begreifen, wenn wir einfach zufällig existieren, wenn wir einfach nur ein winziges Sandkorn in der Sanduhr des Universums sind, wo finden wir dann einen Sinn im Leben?

Warum sind wir hier?

Ressourcen als neue Religion der Menschen?

Heute scheint das Anhäufen von Ressourcen zur neuen Religion zu werden. Die meisten Menschen versuchen nur noch Ressourcen zu akkumulieren und sagen dann Dinge wie:

“wenn ich 50 bin, gehe ich in Rente und genieße das Leben.“ 

Doch wie um alles in der Welt soll das funktionieren? Wenn Du bereits in der Jugend beginnst Ressourcen zu akkumulieren und zu leisten, zu arbeiten und zu verzichten um später besser dazustehen. Wie sollst Du diese Gewohnheit nach 35 Jahren einfach ändern? Angenommen Du hast dann genug Geld, was machst Du mit deiner freien Zeit, wenn Du nie gelernt hast, sie zu genießen?

Der Mensch als Werkzeug 

Eine charakteristische Szene des Films „Jugend ohne Gott“ besteht für mich darin, wie der Antagonist mit seiner Mutter isst. Beide sitzen sich am jeweiligen Kopfende eines gigantischen Tisches gegenüber. Die Mutter telefoniert per Headset. Das Essen auf den Tellern besteht aus Fisch, etwas Gemüse und Kartoffeln. Alles fein säuberlich auf dem Teller drapiert, alles steril und emotionslos.

Genau darin sehe ich die große Herausforderung unserer Zeit. Essen ist emotional. Wir nehmen Nahrung( wenn es richtig läuft) mit allen Sinnen wahr. Beim Zubereiten fühlen wir es in unseren Händen, beim Essen sehen, riechen und schmecken wir es. Wir hören das knacken vom frischem Gemüse beim daraufbeißen und das bruzzeln des Öls in der Pfanne. Rund ums Essen kann man so viel erleben.

Meine schönsten Kindheitserinnerungen haben mit Essen zu tun. Eistorte gab es an Geburtstagen, warmen Apfelpunsch( natürlich Alkoholfrei) an kalten Wintertagen und Frühstücksei an Sonntagen. Wenn ich daran denke, wird mir ganz warm ums Herz. Das bedeutet Essen. Essen ist emotional. Essen steckt voller Erinnerungen und diese Erinnerungen und Emotionen machen uns zum Menschen.

Wenn wir Nahrung nur noch als Werkzeug für unseren Körper sehen und unseren Körper nur noch als Maschine um Leistung zu bringen, dann haben wir das Mensch-sein verlernt.

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