Ist gesund essen mit Hartz-4 möglich?

Kann man mit Hartz-4 gesund essen?

Unser neuer Gesundheitsminister Jens Spahn hat mit seiner Aussage, dass „Hartz-4 zum Leben reicht“, für heftige Kontroversen gesorgt. Ich glaube, dass die daraus entstandene Debatte durchaus berechtigt ist und möchte diesen Blogbeitrag für drei Dinge nutzen. Erstens möchte ich diskutieren, inwieweit man mit Hartz-4 gesund essen & trinken kann und daraus ein kleines Selbstexperiment ableiten. Zweitens möchte ich die Debatte auf Menschen ausweiten, die zwar voll arbeiten aber ebenfalls kaum mehr Geld (für Essen) zur Verfügung haben als Hartz-4 Empfänger. Und drittens möchte ich einen Paradigmenwechsel auf das Thema „gesunde Ernährung für kleines Geld“ vornehmen. Viel Spaß beim Lesen und danke für eure Meinungen und Kommentare zu diesem Thema.

Wieviel Hartz-4 ist für Nahrung vorgesehen?

Seit dem 01.01.2018 bekommt jeder Hartz-4 Empfänger 416€ pro Monat zum Leben(+ Miete inkl. Heizkosten). Das sind knapp 14€ pro Tag.

Laut eines Kuchendiagramms von hartz4.org stehen 145,04€ im Monat für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke zur Verfügung( http://www.hartziv.org.) Das sind knapp 5,00€ täglich. Kann das reichen, um sich gesund und ausgewogen zu ernähren?

Kann Hartz-4 reichen?

Ich glaube, wer sich dafür entscheidet pflanzenbasiert zu essen, kann von knapp fünf Euro pro Tag essen. Da muss man zwar sparsam sein und hat nicht die volle Auswahl, aber es geht. Um ausreichend Obst und Gemüse zu sich zu nehmen, wird man sich mit Hartz-4 größtenteils auf Tiefkühl-Produkte beschränken müssen. 750g TK-Gemüse kostet z.B. bei Netto 1,29€, 500g Joghurt 0,39€. Auch wenn diese Produkte kein Bio-Siegel haben, ist die Nahrungsmittelqualität und -sicherheit in Deutschland sehr hoch und deswegen meiner Meinung nach zumutbar.

Meine These:

„Hartz-4 kann für eine gesunde, pflanzenbasierte Ernährung reichen.“

Mein Hartz-4-Experiment

Doch wer A sagt muss auch B machen. Ich werde in einem Selbstexperiment vom 08.04. bis zum 14.04.2018 versuchen 7 Tage lang von 4,83€ pro Tag, also 33,84€ in der Woche gesund zu essen. Auf Facebook und Instagram werde ich täglich über den Zwischenstand berichten. Wer sich dem Experiment anschließen möchte, ist herzlich eingeladen unter #verumvita seine Erfahrungen mit uns zu teilen!

Essen zwischen Hartz-4 und Mindestlohn

Ich persönlich finde die Debatte um Arbeitslosenhilfe geht in eine falsche Richtung. Ich finde die Idee des „bedingungslosen Grundeinkommens“ sehr interessant, aber das soll heute nicht Thema sein. Empörend finde ich, dass Menschen die 40 Stunden die Woche arbeiten und Mindestlohn bekommen, häufig nach Abzug von Steuern etc. unwesentlich mehr oder genauso viel Geld zur Verfügung steht, wie Hartz-4 Empfängern. 14€ pro Tag zur Verfügung zu haben, ist da keine Selbstverständlichkeit. Das heißt:

„Wer arbeiten geht, kann sich nicht unbedingt gesünder ernähren als ein Hartz-4 Empfänger!“

Hartz-4: Welche Grundrechte haben wir beim Essen?

Haben wir in Deutschland die Verpflichtung auch Erwerbslose mit der bestmöglichen Lebensmittelqualität( Bio, Demeter-Qualität) zu versorgen? Ich finde nicht. Studenten, Menschen die Mindestlohn bekommen, viele Selbstständige und andere Erwerbstätige haben nicht die Möglichkeit sich solch einen Lebensmittelstandard zu leisten. Wer als Arbeitsloser umdisponiert, mag diese Möglichkeit sogar haben. Wenn man statt knapp fünf Euro, 10 Euro pro Tag für Essen ausgibt und auf andere Annehmlichkeiten verzichtet, kann man durchaus Bio-Qualität bekommen. Ansprüche darauf zu erheben, empfinde ich allerdings als vermessen.

Hartz-4 Empfänger sterben früher

Arme Menschen in Deutschland sterben früher als reiche Menschen. Das ist nicht fair. Doch wie kann man dieses Problem angehen? Ich glaube, dass eine Erhöhung der Leistungen da nicht weiterhilft, denn das größte Problem ist nicht die Armut an Materiellem, sondern die Armut an Bildung. In bildungsfernen Schichten ist das Wissen über gesunde Lebensmittel und die Fähigkeit gesund zu kochen deutlich geringer ausgeprägt, als in gebildeten Milieus( http://www.sueddeutsche.de/leben/ergebnisse-der-verzehrstudie-bildung-macht-schlank-1.595947).

Hartz-4 und neue Paradigmen

Da die oftmals ungesunden Ernährungsgewohnheiten von Geringverdienern weniger mit den finanziellen-, als mit den Bildungsressourcen zusammenhängen, müssen wir neue Wege gehen und die Herausforderung aus einem anderen Blickwinkel betrachten.

Es werden immer wieder Stimmen aus den Fachkreisen von Ernährungswissenschaftlern und Verbraucherschützern laut, denen ich mich gerne anschließen möchte: Wir brauchen eine klare Deklarierung von gesunden und ungesunden Lebensmitteln und wir benötigen eine Veränderung des Mehrwertsteuer- Systems. Durch diese Besteuerung sollen Obst&Gemüse mit 0%, Milchprodukte, Fleisch, Nudeln etc. mit 7% und zuckerreiche Lebensmittel und Getränke mit mindestens 19% besteuert werden. Dadurch bekämen auch bildungsferne Gesellschaftsschichten ohne große finanzielle Freiräume die Möglichkeit gesund zu leben!

Für weitere Infos: https://www.verumvita.de

Psychologie der Gesundheit II

Psychologie der Gesundheit Teil II

Letzte Woche habe ich ganz allgemein über das Thema Psychologie der Gesundheit berichtet. Heute möchte ich etwas mehr ins Detail gehen. Natürlich hat eine gesunde Lebensführung mit der regelmäßigen Auswahl von gesunden Lebensmitteln, ausreichend Bewegung und der Vermeidung von ungesunden Lebensmitteln zu tun. Doch wenn ich in eine Gesprächsrunde frage, wer denn meint, er solle mehr Sport treiben, mehr Obst & Gemüse essen und weniger Süßigkeiten zu sich nehmen, melden sich im Normalfall 90 -100% bei mindestens einem dieser Aspekte. Daraus ergibt sich die Preisfrage:

„Wenn wir eigentlich wissen, was wir besser machen müssten, warum tun wir es dann nicht einfach?“

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Die Psychologie unserer Gesundheit

Psychologie der Gesundheit Teil 1

Psychologie der Gesundheit

Als ich begann mich für das Thema Ernährung zu interessieren, hatte ich zum einen meine eigenen Ernährungsprobleme und war zum anderen fest davon überzeugt, dass umfassendes Wissen über gesunde Ernährung völlig ausreichen würde, um diese zu lösen. Im Laufe der Jahre habe ich dann mehr und mehr gelesen, gelernt und dadurch begriffen, dass die Psychologie der Gesundheit (mit-)entscheidend ist.

Auch in den ersten Semestern meines ernährungswissenschaftlichen Studiums lösten sich meine eigenen Ernährungsprobleme nicht in Luft auf, obwohl ich sehr viel Wissen über Physiologie, Anatomie, Biochemie und Lebensmittel anhäufte.

Mittlerweile habe ich meine Ernährung und mein Körpergewicht weitestgehend unter Kontrolle. Allerdings auf einer ganz anderen Ebene, als ich damals erwartet hätte… Weiterlesen

Der perfekte Mensch

Der perfekte Mensch

Letzte Woche habe ich den Film „Jugend ohne Gott“ gesehen. Höchst empfehlenswert! Das dort gezeichnete gesellschaftliche Bild ist beklemmend. Die ganze Szenerie wirkt sehr futuristisch und technologisiert. Die Menschen sind in Klassen und feste Wohnbezirke eingeteilt. Wer seinen Wohnbezirk verlässt ist ein „Illegaler“ und in aufwendigen Bootcamps wird die Elite der Elite ausgewählt, um die Gesellschaft zu führen. Verrückt ist meiner Ansicht nach, dass ein Mensch, der nicht in unserem kapitalistischen System aufgewachsen sind und unsere heutige Welt betrachtet, das selbe beklemmende Gefühl beschleichen könnte wie mich beim Ansehen des Films. Weiterlesen

Nahrungsergänzungsmittel

5 Fakten zu Nahrungsergänzungsmitteln

Nahrungsergänzungsmittel

Wenn ich meine Facebook- oder Instagram-App auf dem Laptop oder Handy öffne, werde ich sofort mit der heutigen Thematik konfrontiert: Nahrungsergänzungsmittel(NEM). Ob im Newsfeed oder in Ernährungs-Gruppen. Überall bewerben Personen bestimmte Pülverchen, Kapseln und Tabletten, die angeblich die neue Wunderwaffe gegen die festsitzenden Fettpölsterchen und für die Gesundheit sein sollen. Ich als Ökotrophologe und Essbegeisterter bin bisher auf kein Produkt gestoßen, das sich wirklich von der Konkurrenz abhebt. Mehr dazu jetzt: Weiterlesen

Eine kurze Geschichte über Essen Teil 2

Essen und Überfluss

Als das Jahr 2000 eingeläutet wurde, begann das erste Jahrtausend, indem Hunger in den meisten Teilen der Welt kein großes Thema mehr war. Das ändert natürlich nichts daran, dass wir auf diesem Feld noch vor großen Herausforderungen stehen. Auch 10% hungernde Menschen sind 10% zu viel. Doch im Vergleich zu allen anderen Jahrtausenden ist der Beginn des 21. Jahrhunderts voller Wohlstand und Fülle. Das ist für uns Menschen allerdings nicht ohne Nebenwirkungen. Mit einem Gehirn das 300000 Jahre gegen das Verhungern gearbeitet hat, stehen wir jetzt vor ganz neuen Herausforderungen. Diese Herausforderungen des modernen Essen, davon bin ich überzeugt, lassen sich nur im gesellschaftlichen Kollektiv bewältigen. Die Frage ist: Wie?

Essen und gesellschaftlicher Wandel

Ursprünglich haben sich Homo Sapiens in Gruppen zusammengefunden, weil es bessere Chancen für das Überleben( Schutz und Nahrungssuche) und zur Reproduktion( Sex) bot. Mittlerweile ist die Menschheit so stark vernetzt, dass Sex, Schutz und Nahrung mehr oder weniger frei verfügbar sind. Während wir früher unsere Zeit und Energie vollständig dafür nutzten, um zu überleben und uns fortzupflanzen, haben wir heute ungeahnte Mengen an frei verfügbarer Zeit und viel mehr Essen( Energie) als uns gut täte.

Früher waren arme Menschen dünn, heute sind arme Menschen fettleibig.

Essen und Gesellschaft früher

Wie lief die Verteilung in vergangenen Epochen ab? Jeder hatte seine gesellschaftliche Aufgabe. Ob Jäger oder Sammler oder in späterer Zeit Müller, Bäcker, Steinmetz usw. Wir waren aufeinander angewiesen und haben unsere Waren und Dienstleistungen miteinander getauscht. Diese, für alle sichtbare Umverteilung von Ressourcen schaffte Resonanz und Verbundenheit in der Gesellschaft. Es mussten schlichtweg Gemeinschaften entstehen.

Essen und Gesellschaft heute

Heute bröckelt diese Gemeinschaft zunehmend. Wir haben Sicherheit und Essen genug, ja sogar zu viel des Guten. Und Sex wird von der Industrie als Instrument genutzt um die primitiven Bereiche unseres Gehirns anzusprechen und uns zum Konsum zu animieren. Von Essen zum Beispiel. Unser Arbeitsleben fußt kaum noch auf Resonanz und Gemeinschaft, sondern viel mehr auf Konkurrenz, Status und Ressourcenakkumulierung.

Ist es nicht verrückt, dass unsere Gesellschaft ganze Berufszweige hervorgebracht hat, die dafür verantwortlich sind, unseren Abfall zu „entsorgen“?

Essen, Kapitalismus und die Folgen

Die Verantwortung für unsere Gesellschaft sehe ich auf politischer Ebene. Hier benötigen wir meiner Meinung nach große, regulierende Veränderungen. Warum?

Der Kapitalismus und seine freien Märkte bringen uns eine riesige Auswahl an Lebensmitteln( und anderen Waren). Außerdem muss sich das System „Kapitalismus“ ständig dynamisch steigern und Wirtschaftswachstum generieren, um sich selbst zu erhalten. Deswegen müssen auch immer größere Mengen an Essen und anderen Waren verkauft werden.

Für unseren Planeten bedeutet dies fehlende Nachhaltigkeit und für uns Menschen ein unglückliches und ungesundes Leben im Hamsterrad aus Produktion und Konsum.

Essen und Gemeinschaft

Ich bin davon überzeugt, dass wir Essen wieder mehr Raum in unserem Alltag geben müssen, wenn wir ein gesundes Verhältnis dazu entwickeln wollen. Ideen wie diese: https://foodsharing.de/?page=content&sub=forderungen halte ich für einen großartigen Anfang. Aber auch die Politik muss damit beginnen, für uns Menschen die Rahmenbedingungen zu schaffen, die es braucht, um unseren Alltag zu entschleunigen und mehr Zeit und Raum für die Nahrungszubereitung und den Genuss zu schaffen!

Eine kurze Geschichte über Essen Teil 1

Eine kurze Geschichte über Essen 

Vor ungefähr 300000 Jahren erschienen die ersten Homo Sapiens auf der Weltlandkarte. Damals lebten die Menschen von dem was die Natur uns zu geben bereit war. Ursprünglich lebten sie als Jäger und Sammler. Vor ungefähr 10000 Jahren wurden unsere frühen Verwandten sesshaft und zu Ackerbauern. Jetzt, im 21. Jahrhundert leben wir fundamental anders, als die 300000 Jahre zuvor. Alles um uns herum beschleunigt- auch das Essen. Welche Folgen hat diese Entwicklung? Wie können wir als Gemeinschaft und als Individuen auf diese Veränderungen reagieren? Heute schreibe ich über die Möglichkeiten jedes Einzelnen, sein Essverhalten zu verändern.

Nächste Woche möchte ich Vorschläge dazu machen, wie wir als Gemeinschaft reagieren können. Weiterlesen

9 Gründe keine Diät mehr zu machen

Das neue Jahr ist in vollem Gange. Fitnessstudios und Diätprogramme erleben wie zu jedem neuen Jahr einen Boom. Wer das ganze letzte Jahr auf Kosten seiner Gesundheit gewirtschaftet hat, wird nun mit besonderen Angeboten angelockt. Das Versprechen ist stets eine Abkürzung zum gesunden Leben. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es diese Abkürzung nicht gibt. Heute möchte ich mit euch meine 9 Gründe dafür teilen, warum Du nie wieder eine Diät machen solltest. Weiterlesen

Finde deinen eigenen (Ernährungs-)Weg

5 Schritte zum Glücklich-Sein mit sich selbst

Jedes Mal, wenn ich von einer neuen Diät höre, graut es mir. Ich denke dann an die vielen Menschen die ihre Hoffnungen in dieses neuartige Programm stecken und wie viele dieser Menschen am Ende mit einem beklemmenden Gefühl des Scheiterns dastehen. Ich denke dann daran, wie sehr ich in der Vergangenheit an mir gezweifelt habe, wenn ich merkte, dass ich eine Diät keinen weiteren Tag durchhalten konnte. Wie traurig mich die Überzeugung machte, dass es an mir liegen müsse und ich einfach nicht gut genug sei. Weiterlesen

Gesunde Ernährung Teil 3

Gesunde Ernährung. Was ist das überhaupt? Wenn man jemanden fragt, was er oder sie unter einer gesunden Ernährung versteht, erhält man meist ähnliche Antworten. „Viel Obst und Gemüse.“ „Keine Süßigkeiten.“ „Weniger Fleisch“. Diese und ähnliche Aussagen besitzen zwar meist einen wahren Kern, allerdings beschränken sie sich in meinen Augen zu sehr auf die Auswahl der „richtigen“ Lebensmittel. Ich möchte eine Gegenthese aufstellen, die sich am Menschen selbst orientiert. Heute: Regel 3

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