Beeinflussung unserer Gesundheit

Beeinflussung unserer Gesundheit 

Wenn wir den gegenwärtigen Kenntnisstand der psychologischen Forschung betrachten, müssen wir davon ausgehen, dass das Selbst nicht nur aus bewussten Bestandteilen aufgebaut ist. Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat die Neurowissenschaft, besonders seit bildgebende Verfahren immer ausgereifter wurden, einen kleinen Einblick in unser Gehirn erlangt. Wir wissen immer noch nicht ansatzweise genug über das komplexeste Objekt in unserem Universum, doch das was wir über unser Gehirn herausgefunden haben, hat einen Einfluss auf die Ernährungswissenschaften und Ernährungsberatung. Wir sollten nicht nur unseren bewussten Teil betrachten, sondern ebenso schauen, was unsere unbewussten Bestandteile so treiben. Während nämlich Marketing und Werbung ständig daran arbeiten, unsere unbewussten Bestandteile zum Kaufen anzuregen, fehlen uns im Alltag meist adäquate Mittel und Wege der Beeinflussung unseres Unbewussten. 

Die Beeinflussung durch unsere Umwelt 

Unser Unbewusstes ist ziemlich anfällig für äußere Reize. Wir gleichen unsere Mimik, Gestik, unser Verhalten, unsere Sprache und unsere Gedanken an die äußeren Gegebenheiten an. Diese äußeren Umstände stellte ursprünglich unsere natürliche Umwelt, ganz besonders unsere Mitmenschen dar. Mittlerweile hat unsere natürliche Umgebung erhebliche Konkurrenz bekommen. Bilder und Videos, die uns zum Kaufen anregen sollen, stellen mächtige unnatürliche Reize dar. Besonders wenn die Hersteller dieser unnatürlichen Reize unsere intimen Wünsche kennen, sind wir anfällig für unbewusste Beeinflussung. 

Beeinflussung ist teuer

30 Sekunden Werbezeit in der Halbzeitpause beim Superbowl kosteten die letzten Jahre ca. fünf Millionen Dollar. 30 Sekunden, in denen Unternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen mit den Emotionen verknüpfen können, die die Zuschauer beim Superbowl empfinden. Wenn 30 Sekunden, den Unternehmen fünf Millionen Dollar wert sind, wie stark verändern dann diese 30 Sekunden unser Verhalten? Könnte es sein, dass folgender Satz zutreffender ist, als wir es uns wünschen würden?

„Wer das Kapital besitzt, steuert die visuellen Reize. Wer die visuellen Reize steuert, steuert die Konsumenten und generiert mehr Kapital… und so weiter“

Beeinflussung durch Emotionen

Unsere Emotionen sind ein sehr feines Messinstrument, welches sich im Laufe der Evolution herausgebildet hat, um uns für reproduktions- und überlebensförderndes Verhalten zu belohnen, uns vor Gefahren zu warnen und aus Fehlern lernen zu lassen. Wer also dazu in der Lage ist, unsere Emotionen zu steuern, kann unser Verhalten effektiv beeinflussen. Traurigkeit ist zum Beispiel ein emotionaler Zustand, in dem wir gewillt sind etwas zu verändern. Wir sind in diesem Zustand der Traurigkeit eher dazu bereit mehr Geld für eine Zustandsänderung auszugeben, als in anderen emotionalen Zuständen. Achte doch mal beim nächsten Einkauf darauf, welche Musik im Shoppingcenter oder im Supermarkt gespielt wird.

„Traurige Musik beim Einkaufen führt zu höheren Umsätzen der Betreiber.“

Positive Beeinflussung 

Es ist unwahrscheinlich, dass sich in den nächsten Jahren etwas Grundlegendes an der uns gezeigten Werbung verändern wird. Auch wenn eine stärkere Regulierung unserer unnatürlichen, alltäglichen Umwelt, unser Verhalten in eine gesundheitsförderliche Richtung lenken könnte. Wir werden die ersten Schritte in diese Richtung schon selber machen müssen. Doch erste Indizien sprechen dafür, dass wir unser Unbewusstes auch selbst positiv beeinflussen können. So kauften übergewichtige Menschen in einem Experiment signifikant weniger ungesunde Lebensmittel ein, wenn sie vor dem Einkauf Bilder von gesunden Lebensmitteln anschauten. Klingt unglaublich, könnte aber zukünftig die Art und Weise verändern, wie wir über Ernährungsberatung und Ernährung generell nachdenken.