Anti-Diät-Tag - wieso, weshalb, warum

Anti-Diät-Tag – Wieso, weshalb, warum?

Heute, am Mittwoch, den 06.05.2020 ist internationaler Anti-Diät-Tag. Obwohl uns Covid-19 fest im Griff hat, sollten wir uns die Wichtigkeit des internationalen Anti-Diät-Tags vor Augen führen. Denn Diäten sind kein Spaß. Bereits junge Menschen werden durch Druck von Außen dazu gezwungen, ihr Essverhalten zu verändern. Der Diäten-Trend spiegelt ein Schlankheitsideal wider, das alleine von den Genen her, für die meisten Menschen nicht erreichbar ist. Oftmals sind Diäten der Eingang zu lebenslangen Essstörungen. Es wird also höchste Zeit mit dem Diät-Dilemma Schluss zu machen, die Stigmatisierung von Übergewicht und Adipositas zu bekämpfen und dadurch eine fairere, bessere Gesellschaft zu kreieren. Mehr dazu im heutigen Blogbeitrag von VerumVita®.

Der 29. internationale Anti-Diät-Tag 

Am 06.05.1992 entschied sich die mutige, britische Autorin Mary Evans Young, den internationalen Anti-Diät-Tag ins Leben zu rufen. Warum hatte sie das getan? Mary war, wie viele junge Frauen und Mädchen bereits früh mit sich selbst in Konflikt geraten, weil sie nicht dazu in der Lage war, das herrschende Schlankheitsideal zu erfüllen. Die Folge waren rigide Diäten, die in einer schweren Magersucht (Anorexia Nervosa) mündeten. Mary stand am 06.05.1992 öffentlich auf, um ihre Mitmenschen auf diesen eindeutigen Zusammenhang aufmerksam zu machen:

„Diäten machen nie gesund, selten schlank und meistens krank.“

Die Folgen von Diäten

Mary, aber auch Du und ich, leben in einer Gesellschaft, deren Anspruch nach Mäßigung und Selbstkontrolle so weit gehen, dass der Großteil der Bevölkerung von ihren genetischen Voraussetzungen her nicht dazu in der Lage ist diese Ansprüche zu erfüllen. Es gibt nur zwei logische Folgerungen aus solchen unerfüllbaren Ansprüchen. Entweder werte ich die unerfüllbaren Ansprüche ab und versuche sie nicht zu erfüllen oder ich werte mich selber ab, quäle mich und mache mich krank, um die unerfüllbaren Ansprüche doch irgendwie zu erfüllen. Zur letzteren Gruppe scheinen Mädchen und Frauen öfter zu gehören. Sie sind deutlich häufiger von Essstörungen betroffen als Jungen und Männer. Obwohl die Tendenz auch beim männlichen Geschlecht nach oben zeigt.

„Laut BzGA zeigen 20% der 11-17-jährigen Jugendlichen in Deutschland Anzeichen einer Essstörung.“

Der internationale Anti-Diät-Tag als Warnung

Laut Professor Dr. Christoph Klotter, von der Hochschule Fulda, sind die Essstörungen Anorexia Nervosa, Bulimia Nervosa und Orthorexia Nervosa Avantgarde-Erscheinungen unserer Kultur. 

So beschreibt Klotter in einem höchst empfehlenswerten Essay:

„…dass alle bisher genannten Essstörungen in einem Viereck aufgespannt sind zwischen dem Erfüllen normativer Erwartungen, dem Management körperlicher Impulse, der Pflicht zur Individualisierung und der Abhängigkeitsregulation bezüglich anderer Menschen. Die Essgestörten, so bezeichnen wir diese Menschen gerne, sind nicht jenseits des Mainstreams, sind nicht jenseits der Normalität, sondern mitten drin.“

– C. Klotter, Identitätsbildung über Essen – Ein Essay über „normale“ und alternative Esser, 2016, Seite 26 –

Wo führen uns Diäten bloß hin?

Wenn wir Prof. Dr. Klotter in seinen Argumentationsketten folgen, sehen wir, dass niemand eine Essstörung haben muss, um von den vier benannten Einflussfaktoren beeinflusst zu sein. Normative Erwartungen, das Management von körperlichen Impulsen, die Pflicht zur Individualisierung und die Regulation von Abhängigkeiten bzgl. anderer Menschen, betreffen jeden in unserer Gesellschaft. Wenn Essgestörte die Avantgarde unserer Kultur sind, sind wir dann in Zukunft alle essgestört? Und wenn ja, wird dieses Verhalten dann noch als Störung begriffen oder wird es zur neuen Normalität?

Der Internationale Anti-Diät-Tag ist wichtig, um uns daran zu erinnern, dass Schlankheits- und Diätwahn uns krank machen können. Aber auch, dass wir qualifizierten Ernährungsfachkräfte wichtig sind, um nachhaltige und gesundheitsförderliche Gewichtsreduktion zu unterstützen!