Alles Bio oder was?!

Noch vor 15 Jahren war „Bio“ für mich in erster Linie Unterrichtsfach und vereinzelt hörte ich von der Lebensmittel-Qualität von Demeter. Das aber nur, weil meine Mutter regelmäßig auf dem Wochenmarkt einkaufen ging. Heute hat sich das Wort in meinem Verständnis völlig verändert. Bio ist zur Eigenmarke geworden. Wie Apple oder Nike. Wer heute Umweltbewusstsein und gesunde Ernährung befürwortet, kauft Lebensmittel mit Bio-Siegel. Doch wieviel bedeutet die Bezeichnung heute noch? Und welche Qualitätsstufen lassen sich voneinander unterscheiden?

Anforderungen an Bio

Biologisch angebaute Nutzpflanzen sowie, nach den entsprechenden Standards gehaltene Nutztiere sollen qualitativ hochwertigere, d.h. leckere und gesündere Lebensmittel produzieren als die konventionelle Landwirtschaft. Außerdem gestehen wir gehaltenen Tieren eine bessere Lebensqualität zu und sie sollen weniger oder keine Medikamente bekommen. Biologisch angebaute Pflanzen sollten weniger chemisch und physikalisch behandelt, also gespritzt und bestrahlt werden und nicht genetisch manipuliert sein( https://www.oekolandbau.de/bio-siegel/info-fuer-verbraucher/das-staatliche-bio-siegel/). Das sind Anforderungen die moralisch fair sind, aber auch mehr Platz und Zeit in Anspruch nehmen als die konventionelle Landwirtschaft.

Was kann Bio leisten?

Nun ein kleines, vereinfachtes Gedankenexperiment:

“Wenn die konventionelle Landwirtschaft in Deutschland 0,15 Hektar Anbaufläche benötigt um einen Menschen zu ernähren, braucht sie 12 Millionen Hektar Anbaufläche um 80 Millionen Menschen zu ernähren. So weit so gut. Was passiert, wenn durch ökologischen Anbau 0,3 Hektar Anbaufläche für die Ernährung eines Menschen benötigt werden?“

Dann haben wir ein Problem. Wir können unsere Ackerfläche nicht beliebig vergrößern, Deutschland hat nur eine gewisse Fläche und 24 Millionen Hektar Anbaufläche stehen in  nicht zur Verfügung. 

Bio hat Grenzen

Durch das oben ausgeführte Gedankenexperiment haben wir die Herausforderung, dass das Angebot nicht ausreicht um die boomende Nachfrage nach Bio-Produkten( in Deutschland) zu decken. Da Bio mittlerweile zur Eigenmarke geworden ist, mit der viel Geld verdient werden kann, musste sich die Lebensmittelwirtschaft etwas ausdenken. Die cleverste Idee: „Wir machen einfach unsere eigenen Siegel.“ Gesagt getan. Mittlerweile gibt es über 300 Biomarken und 60 nationale und internationale Biosiegel( https://www.test.de/Biolebensmittel-Masse-statt-Klasse-1532489-0/). 

Woher kommt das ganze Bio?

So hat sich das auch die europäische Union überlegt und das EU-Biosiegel erschaffen. Bevor man sich betrogen fühlt, sollte man betrachten, dass auch das EU-Biosiegel an deutlich gründlichere Kontrollen und fairere Standards gekoppelt ist als die konventionellen Landwirtschaftsbetriebe. Doch das EU-Siegel lässt zum Beispiel Blut- Fleisch und Knochenmehle als organische Dünger zu und schreibt auch die maximale Transportdauer der Tiere nicht vor. Marken wie Demeter sind deutlich strenger bei der Vergabe ihrer Bio-Siegel. Eine genaue Übersicht über die gestellten Anforderungen zeigt WWF Deutschland: https://mobil.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF-Vergleich_Guetesiegel_Fleisch.pdf.

Fazit 

Der Wunsch, dass Tiere besser behandelt und Pflanzen ohne gesundheitsgefährdende Düngung, Gen-Technik und Behandlung gezüchtet werden, ist verständlich und berechtigt. Aber die Erdbevölkerung hat viel Hunger und wächst immer weiter. Wirklich ökologisch zu essen ist etwas für privilegierte Bevölkerungsschichten, die ganze Welt kann man damit nicht versorgen. Zumindest nicht mit Fleisch. Das heißt wir müssen umdenken. Nachhaltig leben zu wollen ist ein toller Ansatz wenn wir nicht nur auf das Siegel schauen, sondern uns auch dementsprechend Gedanken machen und unser Verhalten ändern. Dazu ein älterer Blogbeitrag von mir zu einer möglichen Lösung: https://www.verumvita.de/kann-vegetarismus-unseren-planeten-retten/

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