All you can eat – Ess-Erfahrungen

Warum manche Menschen essen können was sie wollen

Es gibt zwei Extreme des essenden Menschen. Die einen wachen morgens auf und freuen sich aufs Frühstück, die anderen haben keinen Appetit. Menschen des ersten Typs vergessen ihre Pflichten während des Essens, Menschen des zweiten Typs vergessen zu essen während ihrer Pflichten. Die einen haben das Gefühl zuzunehmen wenn sie Schokolade nur angucken, die anderen können scheinbar schlemmen was und wieviel sie wollen. Was das alles mit unseren Ess-Erfahrungen zu tun hat, versuche ich im heutigen Blogbeitrag herauszuarbeiten.

Ess-Erfahrungen 

Wie ich immer wieder betone, ist Essen kein rationaler Akt. Wir machen im Laufe unseres Lebens- und besonders in unserer Kindheit einschneidende Ess-Erfahrungen. Diese prägen unsere inneren Bilder von uns und unserer Welt in der wir leben. Dabei wachsen die einen in Familien auf, in denen Essen etwas Funktionales ist, während andere von ihrem ersten Tag an mit Vorbildern konfrontiert sind, die Nahrung als Genussmittel ansehen. Diese Unterschiede prägen das Gesamtbild, welches sich das aufwachsende Kind vom Essen macht. 

Ess-Erfahrungen als innere Bilder

Um beurteilen zu können welche Auswirkungen diese frühkindlichen Erfahrungen auf das weitere Leben haben, schauen wir mal genauer hin. Wie groß sind wohl die Unterschiede innerhalb der inneren Bilder eines Kindes, je nachdem ob die Bezugsperson beim Füttern ein genüssliches Gesicht zieht und zeitweise selbst nascht oder ob sie sich insgeheim vor dem Babybrei ekelt?  Wie wirkt es sich auf dessen innere Bilder aus, wenn ein kleines Kind mitbekommt, wie die Eltern mit Freunden und Verwandten am Essenstisch scherzen, lachen und genüsslich schlemmen? Oder mitbekommt, wie mit übermäßiger Nahrungsaufnahme Emotionen reguliert oder unterdrückt werden?

Ess-Erfahrungen: Alleine Essen

Es gibt Kinder, die alleine essen mussten wenn es Stress zu Hause gab oder weil ihre Eltern keine Zeit für sie hatten. Diese Kinder empfinden die Nahrungsaufnahme dann entweder als einzigen Trost für ihre Einsamkeit und das Gefühl nicht gewollt zu werden. Das führt dann nicht selten zu Adipositas. Oder sie entwickeln eine so starke Abneigung gegen ihre Einsamkeit, dass sie ausschließlich in Gesellschaft anderer Menschen essen und genießen können. Dieselbe Ess-Erfahrung kann also zu zwei unterschiedlichen Extremen im Essverhalten führen.

Ess-Erfahrungen: Gemeinsam Essen

Wenn jetzt jemand wie ich, der unheimlich gerne isst, mit einem Menschen Zeit verbringt, der nicht alleine essen kann und mag, dann wirkt es oft so, als könne mein Gegenüber zu sich nehmen was er/sie möchte ohne dick zu werden. Das stimmt zwar nicht, weil, wenn dieser Mensch auch alleine solch ein Essverhalten an den Tag legen würde, er mit Sicherheit dick wäre. Für uns Genuss-Esser sind solche Ess-Erfahrungen natürlich eine tolle Ausrede:

„Wir können halt nix dafür, gucke mal der da, der kann essen was er möchte. Wenn ich solche Gene hätte, wäre ich auch schlank.“ 

Essen und Gene

Allen Skeptikern sei gesagt, dass natürlich auch die Gene eine Rolle dabei spielen, ob wir schnell zunehmen oder nicht. Allerdings bin ich davon überzeugt, dass wir unsere Gene bei der Entwicklung von Adipositas überschätzen. Letztendlich sind die Fähigkeiten, große Mengen Fett in unserem Körper zu speichern und mehr essen zu können als wir zur Sättigung bräuchten, eine Grundvoraussetzungen dafür, dass unsere Vorfahren ihre Gene bis zu unserer Generation weitergeben konnten. Das heißt wir müssten eigentlich alle adipös sein. Wenn man Prof. Dr. Anja Hilbert fragt welchen Anteil die Genetik bei der Entwicklung von Übergewicht und Adipositas ausmacht, liegt die Antwort bei „30-70%“. Eine große Spannbreite wie ich finde. Ein spannendes, vertiefendes und aktuelles Interview mit Prof. Dr. Anja Hilbert zu dem Thema könnt ihr hier lesen: https://www.uni-leipzig.de/service/kommunikation/medienredaktion/nachrichten.html?ifab_modus=detail&ifab_id=7730

Beim Essen genau hinschauen 

Wie ich heute versucht habe zu zeigen, sind die individuellen Ess-Erfahrungen die wir in unserem Leben machen entscheidend für unser Essverhalten. Dabei ist das Essen in Gemeinschaften etwas archaisches, das ganz klar von der Nahrungsaufnahme in Einsamkeit abzugrenzen ist. Essen in Einsamkeit ist meines Erachtens ein Produkt der Moderne und des Kapitalismus. So haben Studien gezeigt, dass gemeinsames Abendbrot in Familien Adipositas vorbeugt. Woran das genau liegt, wird die Zukunft zeigen. Entscheidend ist jedoch, dass wir besser hinschauen und damit Nahrungsaufnahme, Übergewicht und Adipositas anders einordnen und entmystifizieren können und sollten. 

Und letztlich sollten wir dankbar dafür sein, genug Nahrung zur Verfügung zu haben und diese genießen zu können.

Mehr zum Thema Ess-Erfahrungen lest ihr hier: https://www.verumvita.de/ueber-uns/#

Danke für deine Aufmerksamkeit und einen schönen Mittwoch Abend 🙂

 

Lädt…

Privacy Policy Settings