Achtsamkeit & Essen

Achtsamkeit & Essen

Achtsamkeit: Essen mit allen Sinnen

Es ist Januar. Die Zeit der guten Vorsätze. Viele Deutsche möchten gerne gesünder essen und ihr Gewicht reduzieren. Einige von uns haben sich bereits dafür entschieden, dass ihre guten Vorsätze nur Vorsätze bleiben werden. Andere strengen sich immer noch an, um ihre Ziele für das Jahr 2020 zu erreichen. Ein wichtiger Aspekt, über den beim Thema Gewichtsreduktion oft gesprochen wird, ist das Thema Achtsamkeit. Gute Ernährungsberatung und -therapie geht auf dieses Thema ein. Wir Ernährungsberater*innen versuchen unsere Klient*innen dafür zu sensibilisieren, sich voll und ganz auf den Akt des Essens zu konzentrieren. Doch eigentlich geht Essen mit allen Sinnen noch deutlich weiter. Was das bedeutet und wie es deine Erfolgschancen bei dem Erreichen deiner Ziele erhöhen kann, erkläre ich im heutigen Blogbeitrag. 

Achtsamkeit lernen

Die Welt, die den Großstädter von heute umgibt, ist nicht darauf ausgerichtet unsere natürlichen Anlagen zur Achtsamkeit zu fördern. Ob beim Schlendern durch die Fußgängerzone, beim Einkaufen oder in den Weiten des Internets, wir sind stets umgeben von (Kauf-)Reizen, die unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollen. Die Fähigkeit unsere Konzentration für einen längeren Zeitraum auf ein einziges Ziel zu lenken, verkümmert. Parallel dazu, sind unsere Finger unglaublich präzise darin geworden, auf einem Touchscreen einzelne Punkte anzuklicken. Unsere Fähigkeiten entwickeln sich parallel zu unseren alltäglichen Aktivitäten. Wer Achtsamkeit lernen möchte, sollte sich also Zeit zum Üben einräumen. 

„Ob Atemmeditation, Bodyscan oder achtsames Essen- alle Aktivitäten, auf die wir uns bewusst konzentrieren, fördern unsere Achtsamkeit.“

Achtsamkeit beim Essen

Beim Essen ist Achtsamkeit besonders wertvoll. Denn wenn wir uns voll und ganz auf unsere Mahlzeit konzentrieren, essen wir langsamer, spüren unsere körpereigenen Signale der Sättigung schneller und können mehr Dankbarkeit für unsere Lebensmittel empfinden. Diese drei Resultate helfen uns dabei Gewicht zu reduzieren, mehr und intensiver zu genießen und glücklicher zu sein. Dankbarkeit für die Dinge und Menschen zu pflegen, die wir bereits in unserem Leben haben, macht nachweislich glücklich. Im Gegensatz zu unserem häufigeren Modus Operandi- den Wert der Dinge und Menschen erst zu realisieren, wenn sie nicht mehr verfügbar sind. Dies ist der perfekte Weg zum unglücklich sein. 

„Dankbarkeit für unsere vollen Teller und Bäuche ist eine großartige Gelegenheit, unsere Achtsamkeit und unsere Glücksfähigkeit zu trainieren.“

Achtsamkeit ist mehr als Essen

Achtsamkeit ist allerdings nicht nur für den eigentlichen Akt des Essens entscheidend. Viel mehr ist Achtsamkeit eine Fähigkeit, die wir getrost als Grundlage vieler anderer Fähigkeiten betrachten können. Denn ohne die Fähigkeit, die eigenen Handlungen und Gedanken bewusst wahrzunehmen, können wir diese nicht verändern. Die Folge von Unachtsamkeit ist ein ständiges Wiederholen der Vergangenheit. Je besser wir darin werden unsere eigenen Handlungen und Gedanken wahrzunehmen, desto mehr sind wir dazu in der Lage den Spalt zwischen Reiz und Reaktion zu erkennen.

„Viktor Frankl, der berühmte Psychater und KZ-Überlebende, ist das beeindruckende Beispiel, dass dieser besagte Spalt zwischen Reiz und Reaktion unabhängig von der eigenen Lebenssituation besteht.“

Unser Denken macht uns beeinflussbar

Zurück zum Essen. Betrachten wir die Erkenntnisse über das menschliche Denken, sind an unseren Entscheidungen nicht ausschließlich bewusste, langsam ablaufende Denkprozesse beteiligt. Viel mehr werden wir über Priming und Nudging erheblich durch die Reize beeinflusst, die uns im Außen begegnen. Dadurch kann das Einschlafen vor der Fernsehwerbung oder das gedankenlose Scrollen im Social-Media-Feed uns unbewusst zu Entscheidungen verleiten, die wir nicht treffen wollen. Das mag paradox klingen, immerhin sind es ja doch unsere eigenen Entscheidungen. 

„Sind unsere Entscheidungen, die von unserer gewünschten Identität abweichen, wirklich unsere eigenen Entscheidungen?“

Essen ist mehr als Nahrungsaufnahme

Eine enorm wichtige Schlussfolgerung aus der Forschung zum menschlichen Denken ist, dass unser Leben und unsere Entscheidungen weit weniger von bewussten Denkprozessen gesteuert werden, als wir gemeinhin glauben. Wenn wir mehr Kontrolle über unsere Entscheidungen gewinnen möchten, müssen wir besser darauf achten, welchen Reizen wir uns aussetzen. Wer andere Entscheidungen beim Essen treffen möchte, sollte also auch darauf achten, welche visuellen, auditiven und olfaktorischen Reize ihm im Alltag begegnen. Das Auge isst eben mit. 

Gute Entscheidungen beruhen stärker auf unserem Umfeld und unseren damit verbundenen Gewohnheiten als auf unserer reinen Willenskraft. Disziplin ist nebensächlich. Die gute Nachricht ist, dass wir unser Umfeld bewusst verändern und gestalten können.

„Durch die gezielte Veränderung unseres Umfelds können wir unsere Ziele spielerisch leicht erreichen. Was wir hierfür besser lernen müssen, ist Achtsamkeit.“