Mehr Sport als Verstand | Alibi-Sport

Durch meine Arbeit im Fitnessstudio werde ich quasi mit der Nase auf eine Problematik gestoßen, die undurchdachter gar nicht sein kann. Ich nenne es Alibi-Sport. Da kommen Menschen ins Fitnessstudio, verbringen dort ihre wertvolle Zeit und blockieren die Geräte- ohne wirklich Sport zu machen. Im Anschluss wird ein großer Eiweißshake getrunken und zu Hause gibt es eine Extramahlzeit.

Alibi-Sport | Wen verarschen wir da eigentlich?

Ein ganz simples Gedankenexperiment. Eine Stunde im Fitnessstudio. 15 Minuten umziehen und quatschen. Danach 30 Minuten auf Geräten sitzen, Fotos bei Instagram, Snapchat und Facebook hochladen und alle fünf Minuten einen Satz machen. Jeder Satz dauert ca. 30-45 Sekunden. Dabei wird auch nicht versucht an seine Grenzen zu gehen, sondern nur eine vorbestimmte Bewegung 12-15 Mal ausgeführt. Dann nochmal 15 Minuten umziehen und duschen. Dann wird der Eiweißshake bestellt und ab gehts nach Hause. Essen.

Alibi-Sport | Das ist doch Unsinn

Wer mitgerechnet hat, sollte auf ca. drei Minuten körperliche Belastung in dieser Stunde im Fitnessstudio gekommen sein. Die Kalorien die man in dieser Zeit verbraucht, sind schon durch den Eiweißshake mehr als abgedeckt. „Aber da ist ja L-Carnitin mit drin. Davon nimmt man automatisch ab.“
Hä? Ernsthaft? Ich finde einen gesunden Optimismus durchaus sinnvoll, aber diese vielleicht etwas überspitzte Art der Darstellung verdeutlicht eines unserer fundamentalen gesellschaftlichen Probleme.

Alibi-Sport | Ernten ohne zu säen

Wie Stephen R. Covey es ausdrückt, kann ein Bauer niemals die Aussaat verschlafen und dann trotzdem darauf hoffen, eine großartige Ernte einzufahren. Auf der Ebene der Landwirtschaft macht dieses Prinzip für uns alle Sinn. Ernten folgt auf Säen. Doch wie ist es in unserer Gesellschaft im Bereich Ernährung und Bewegung? Haben wir da das Prinzip von säen und ernten wirklich verstanden? Ich persönlich habe den Eindruck, dass viele Menschen in unserer Gesellschaft ganz im Gegenteil zum Prinzip „Säen und Ernten“ davon ausgehen, dass es einen „Geheimtipp“ geben müsse.

Alibi-Sport | Gesellschaftliche Gewohnheiten

Ich kenne es noch von Oma und Opa. Um 7:00 Uhr morgens wird gefrühstückt, um 12:00 Uhr gibt es Mittag. Um 15:30 Uhr Kaffee und Kuchen und um 18:00 Uhr wird sich dem Abendessen gewidmet. Dieses System ist absolut sinnvoll, wenn man von morgens bis nachmittags körperlich arbeitet und sich abends noch um den eigenen Garten kümmert. Die meisten Gewohnheiten bilden sich aus guten Gründen heraus. Die Gewohnheit solcher regelmäßigen Mahlzeiten ist essentiell, um die Energie- und Nährstoffversorgung zu garantieren. Zumindest wenn man den ganzen Tag körperlich aktiv ist.

Alibi-Sport | Zeit für neue Gewohnheiten

Heute sieht der Alltag anders aus. Beruflich ist der körperliche Anspruch in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen. Ein Großteil der deutschen Bevölkerung sitzt den ganzen Arbeitstag am Schreibtisch. Nach Feierabend wird zu Hause auf der Couch ferngeschaut oder Videospiele gespielt.
Neben der Tatsache, dass wir uns zu wenig bewegen, werden dadurch die Essgewohnheiten der vergangenen, körperlich aktiven Generationen obsolet. Wir brauchen neue Gewohnheiten, mit denen wir den neuen Arbeits- und Freizeitbedingungen gerecht werden. Einen Geheimtipp gibt es nicht. Wir müssen schon selbst die Verantwortung übernehmen.

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