Fasten zum Entgiften | Heilfasten

Heilfasten? Warum ist dieser widersprüchliche Sport eigentlich noch nicht zum Unwort des Jahres gewählt worden? Fasten an sich kann ich aus verschiedenen Gesichtspunkten gut verstehen. Man verzichtet für einen gewissen Zeitraum auf etwas, um es nach Ablauf dieser Zeit wieder mehr genießen zu können und seine Fähigkeit zur Disziplin zu stärken. Ein sinnvolles Konzept mit jahrhundertelanger Tradition.

Was heilt am Fasten?

Nur das Heilen am Fasten ergibt für mich keinen Sinn. Für eine Woche auf Nahrung zu verzichten, damit die Giftstoffe des Körpers gelöst und ausgeschieden werden können. Klingt zu schön um wahr zu sein. Ist es auch.

Ich möchte diesem Gerücht auf logischer sowie wissenschaftlicher Ebene entgegentreten. Zuerst einmal die logische Komponente. Angenommen Sie sind mehrere Jahrzehnte über diese Erde flaniert. Sie haben gegessen, getrunken, geatmet und auf den unterschiedlichsten Wegen Kontakt mit Menschen, Tieren und Bakterien gehabt.

Heilfasten als Sinnbild

Jetzt stellen Sie sich mal vor wie eine Biotonne aussieht, wenn Sie den Biomüll über Ihren zweiwöchigen Urlaub in der Wohnung stehen gelassen haben. Haben Sie ein ungefähres Bild im Kopf? Einen ungefähren Geruch in Ihrer Nase? Dann sollten Sie sich darüber im Klaren sein, dass ein Biomülleimer keine Fähigkeiten dazu besitzt, seine Inhaltsstoffe abzubauen und auszuscheiden. Jetzt kommen wir zu dem entscheidenden Punkt. Stellen Sie sich mal bitte einen Biomülleimer vor, der 10, 20 oder 50 Jahre vergessen wurde rauszubringen. Oder stellen Sie es sich besser nicht vor.
Was ich damit sagen möchte: Wenn unser Körper nicht die bewundernswerte Fähigkeit mitbringen würde sich selber zu entgiften, hätten wir Menschen nicht die Möglichkeit 80, 90 oder sogar 100 Jahre alt zu werden. Dann würde so ne Woche Heilfasten in der Toskana für 2000€ nach 50 Lebensjahren den Braten auch nicht mehr fett machen.

Heilfasten wissenschaftlich beleuchtet

Jetzt zur wissenschaftlichen Begründung. Viele überzeugte Heilfasten-Anhänger meinen ja, man würde einen andersartigen Geisteszustand durchmachen während dieses Verzichtes und vor Energie strotzen. Außerdem schmecke man ja, wie sich die Giftstoffe lösen würden.

Der Geschmack rührt leider nicht von den gelösten Giftstoffen, sondern von der selbstinduzierten Azidose her, die man sich mit dem Fasten zufügt. Da der Körper in einen akuten Energiemangel gerät, zieht er Ketonkörper zur Energiegewinnung herbei. Diese lösen diesen pelzigen Geschmack auf der Zunge aus. Abgesehen davon, dass diese Ketose- also eine Übersäuerung des Körpers ungesund ist und sogar lebensgefährlich sein kann, gibt es keine belegte positive gesundheitliche Wirkung.

Heilfasten und die Auswirkungen auf die Psyche

Schlussendlich möchte ich noch auf den veränderten Geisteszustand eingehen. Unser Gehirn hat uns mit einer höchst cleveren Form des Selbsterhaltungstriebes ausgestattet. Ab einer bestimmten Dauer des Fastens und der damit verbundenen Abwesenheit von Energielieferanten, schaltet unser Gehirn auf Überlebensmodus. Es hat schlichtweg Angst zu verhungern. Was aber wäre destruktiver für das eigene Überleben, als in Selbstmitleid und Resignation zu versinken? Daher hat unser genetischer Quellcode eine Funktion eingebaut, die uns mit Energie und Antrieb versorgt, damit wir uns auf die Suche nach etwas Essbarem machen und unser Überleben retten. Dieser vorübergehende Energie-Kick ist aber nach erfolgreicher Nahrungsaufnahme wieder verschwunden.

Mein Fazit zum Heilfasten

Wem diese Erfahrung viel Geld wert ist, darf gerne weiter in die Toskana zum Heilfasten fahren. Wer allerdings wirklich etwas Gutes für seine Gesundheit tun möchte, sollte sich auf andere Methoden konzentrieren.

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