Essen früher – essen heute

Mein Lieblingsopa hat früher gerne eine Geschichte erzählt. Aus einer Zeit in der er als kleiner Junge seinen großen Brüdern Essen zur Arbeit bringen musste. An einem schönen Sommertag gab es Erbseneintopf, der meinem kleinen Opa leider auf dem Weg zur Baustelle runterfiel. Was tun? Klein-Opa kratzte die Eintopfreste vom Weg und lieferte das Essen trotzdem bei seinen Brüdern ab. Das Manöver fiel leider auf, da die Brüder auf dem Rückweg den Rest vom verspeisten Eintopf- und somit auch eine Begründung für den sandigen Geschmack, auf dem Boden fanden. Aber was erzählt uns diese Geschichte über den Umgang mit Lebensmitteln?

Essen und Arbeitsteilung

In der Jugendzeit meines Opas war diese Arbeitsaufteilung ganz normal. Männer sind körperlich arbeiten gegangen, die Frau hat gekocht und der Kleinste spielte den Kurier.
In der heutigen Zeit haben sich die Rollen stark verändert. Der Kleinste ist in der Ganztagsschule, Papa und Mama arbeiten beide. Häufig jeweils 40 Stunden die Woche oder mehr und die Rollen des Nahrungszubereiters und Kuriers bleiben häufig unbesetzt.

Adipogen und teuer

Für die Aufgaben der Zubereitung und Lieferung der Nahrungsmittel sprießen überall Dienstleister aus dem Boden. Nicht nur lokal ansässige Restaurants und Schnellimbisse, sondern auch mobile Lieferdienste kämpfen hart um die Marktanteile der Außer-Haus-Verpflegung. Obwohl diese Dienstleister stets versuchen sich in Sachen Preis/Leistung zu unter- bzw. überbieten, ist diese Art von Verpflegung im Durchschnitt teurer und ungesünder als ein selbst gekochter Erbseneintopf.

Teufelskreis im sitzen

Um die höheren Kosten für unsere Lebenshaltung, u.a. für Lebensmittel, leisten zu können, arbeiten wir noch mehr. Das heißt normalerweise für uns, dass wir noch mehr Zeit im sitzen und weniger in Bewegung verbringen. Wir entschädigen uns für unsere harte Arbeit mit zusätzlichen Ausgaben. Wir nehmen zu, sind unzufrieden. Entschädigen uns mit zusätzlichen Ausgaben. Arbeiten mehr. Bewegen uns weniger…

Back to the roots

Ich glaube nicht, dass wir auf einmal neue revolutionäre Erkenntnisse über Ernährung und Bewegung erlangen werden. Im Gegenteil. Ich glaube wir sind über das Ziel hinaus geschossen. Vielleicht ist der nächste Schritt ein Zurückfahren der Arbeitszeit. Nicht von den Frauen- sondern von beiden Geschlechtern. Die Ausgaben senken, statt die Einnahmen zu erhöhen. Eine höhere Bereitschaft wieder selbst zu kochen könnte auch unsere Wertschätzung gegenüber Lebensmitteln erhöhen. Vielleicht schmeißen wir dann auch weniger Essen in den Müll. Gemeinsames Kochen und Essen sollte ein gemeinsames Genusserlebnis in unserem Alltag sein bzw. es wieder werden.

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